Sterben für die Hoffnung auf ein Leben mit Zukunft

Vom zynischen Umgang mit dem Schicksal der Flüchtlinge

es sind nicht nur ver(w)irrte rechte oder anhänger von seelenfängervereinigungen wie Pe-irgendwas, NPD, AFD oder wie sie alle heissen mögen, die für ein falsches bild in der „mitte der bevölkerung“ sorgen und so eine objektive betrachtung des schicksals der menschen fast unmöglich machen, die ihr leben aufs spiel setzen, um dasselbe zu retten. flucht ist nichts, das man mal eben in angriff nimmt, weil man irgendwo glaubt auf kosten anderer ein leben wie die made im speck führen zu können. und vorallem ist flucht kein verbrechen…

stacheldraht

foto: parcelpanic (2012)

es geschieht dutzendfach, jeden tag und ein ende ist nicht in sicht. während diese zeilen entstehen, sterben irgendwo vor den grenzen €urops menschen, die ihre heimat verlassen haben, ob nun „freiwillig“ oder nicht. wenn sie nicht irgendwo nahe ihres startpunktes zu tode geprügelt werden oder an unmenschlichen zuständen zugrunde gehen ertrinken sie vor den küsten des „gelobten“ land. schaffen sie es doch, erwarten sie meist zustände, die manchmal nur um nuancen besser scheinen, als dort wo sie vertrieben wurden oder sie für sich und ihre familien keine zukunft mehr sahen. sie geben ihre heimat und oft alles was sie besassen für eine hoffnung auf, die meist trügerischer ist als der glaube, es werde irgendwann einmal eine soziale gerechtigkeit geben oder alle menschen hätten die gleichen chancen.

weltweit befinden sich derzeit nach angaben der UNHCR etwa 45 millionen menschen auf der flucht, die UNO-Flüchtlingshilfe beziffert die zahl sogar mit 51,2 millionen. dazu zählen neben jenen, die ihr vermeindliches glück weit ab der heimat suchen, die sie nicht mehr haben ein weit aus grösserer teil, die nicht die möglichkeit haben diesen weg zu gehen und als „Binnenflüchtlinge“ in der angestemmten region als heimatlos gelten – diese werden dabei nicht einmal durch internationale abkommen „geschützt“, wenn man das überhaupt so nennen darf.

die immer wieder genutzten begriffe wie etwa wirschaftsflüchtlinge sollen vermutlich vergessen machen, warum diese menschen wirklich auf der flucht sind. nicht, weil sie ins gelobte land aufbrechen, in dem milch & honig fliessen, vielmehr weil in ihrem land bürgerkriege herrschen, terror wütet, sie als minderheit verfolgt, gefoltert oder ermordet werden und sie fliehen vor menschenrechtsverletzungen, diskriminierungen und repressalien wegen ihrer hautfarbe, ihrer religon oder herkunft.

baut euch bunker... / foto: parcelpanic

baut euch bunker… / foto: parcelpanic

von den paar millionen derer, die mit hilfe zwielichtiger schleuser den weg aus dem land schaffen, kommt nur ein verschwindend kleiner teil nach €uropa. so wurden im gesamten €uropäischen raum mit einer bevölkerung von über 740 millionen menschen 2012 gerade einmal etwa 300.000 asylanträge gestellt. den weit aus grösseren anteil nehmen staaten auf, die wirtschaftlich nicht besser gestellt sind als die herkunftsländer, wie Pakistan (ca. 1,6 mio), Iran und dem Libanon (je ca. 850.000) oder Jordanien (ca. 640.00). da wirkt der begriff „Flüchtlingsschwemme“ im zusammenhang mit den menschen, die ihr heil in €uropa suchen schon etwas zynisch und die methoden, mit denen man sie fernhalten will menschenverachtend. erst recht, wenn politiker für ihre betroffenheitsbekundungen zwar gerne mal an jeden schauplatz reisen, wo ein paar deutsche ihr leben lassen mussten, aber keine zeit finden mal dort mit anwesenheit zu glänzen, wo durch ihre verfehlte politik täglich menschen ihr leben lassen müssen. oder für G-irgendwas-gipfel unnötige millionen verbrannt werden, die besser in massnahmen fliessen könnten, die dieses elend mildern.

zwar nimmt Deutschland rein zahlenmässig mit über 170.000 gestellten asylanträngen (2014) die meisten flüchtlinge auf, die nicht auf dem weg abgefangen werden oder auf die eine oder andere art ihr leben lassen müssen, hat aber auch wesentlich mehr einwohner als etwa Schweden mit ca. 75.000 gestellten anträgen. heruntergebrochen ergeben sich etwa folgende zahlen für asyl-erstanträge (ae) pro 1.000 einwohner (1ke)

  • Schweden ca. 7,8 ae/1ke
  • Ungarn ca. 4,2 ae/1ke
  • Malta ca. 3,0 ae/1ke
  • Schweiz ca. 2,7 ae/1ke
  • Dänemark ca. 2,5 ae/1ke
  • Norwegen ca. 2,5 ae/1ke
  • Deutschland ca. 2,1 ae/1ke

weniger als einen asyl-erstantrag/1.000 einwohner verzeichen länder wie Frankreich, Finnland, Großbritannien, Spanien oder etwa Tschechien mit nicht einmal 0,1 ae/1ke.

beam me up / foto: parcelpanic

beam me up / foto: parcelpanic (2011)

zurück zum anfang des post und dem eigentlichen anliegen: wenn also hierzulande mal wieder ein stacheldraht durch die gesellschaft gezogen wird, der von der eigentlichen problematik ablenken soll, wäre es vielleicht besser nach der verantwortung der politiker zu fragen, als diese menschen verdammen zu wollen, deren anliegen mehr als menschlich erscheint. bilder aus gegenden, die deswegen so verstört wirken, weil sie mit einem anteil nicht-eingeborener von unter 2% garkeine überfremdung befürchten müssen sollten aufrütteln statt beifall zu ernten. alltagsrassismus ist ein übel, dass es an der wurzel zu packen gilt, wo man ihm begegnet, auch wenn es leichter ist, einfach die fresse zu halten oder gar vermeintlich schwächeren die schuld für das eigene gefühlte elend geben zu wollen.

in dem sinne:

einen netten auch als „happy kadaver“ bezeichneten Fronleichnam noch!

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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