Rostock – Lichtenhagen, Solingen … Tröglitz?

aus gegebenem anlass setze ich diesen blog in unregelmässiger form fort. wo politik und presse versagen ist zivilcourage gefragt…

kann man heute keine stellung beziehen? ist man, wenn nicht gegen etwas ist und auch dazu stellung bezieht automatisch für das gegenteil? kann man bei bestimmten themen keine meinung haben oder unterstützt man als schweigende mehrheit auch die, die sich gegen gesellschaftliche grundsätze stellen?

stacheldraht

foto: parcelpanic

für kleingeister macht es derzeit keinen unterschied, ob man über Asyl redet, über die zuwanderung von solchen €uropäern aus neueren mitgliedsstaaten oder radikalisierten islamisten. letztere werden gerne grundsätzlich auch im Muslimen von nebenan vermutet, was die problematik nur noch verschärft. statt sich mit dem unbekannten objektiv zu beschäftigen, ist es einfacher sich aus der vielfalt der vorgefertigten meinungen zu bedienen. trotz der möglichkeit zu nutzen sich verschiedener quellen zu bedienen, genügt dem anschein nach ein blick in die schrottpresse des journalismus um eine „eigene“ meinung zu vertreten.

wo sich ausreisser egal welcher couleur ihren weg bahnen und mit menschenverachtenden und gesellschaftfeindlichen aktionen auf sich aufmerksam machen, kann es eigentlich nur eine antwort geben: zivilcourage. anlass dazu muss keine dieser schlagzeilenträchtigen brandanschläge sein, vielmehr der alltagsrassismus, der einem in der schule, am arbeitsplatz oder auf der strasse begegnen. ausländerfeindlichkeit ist kein phänomen der rechten, die wurzeln liegen vielmehr auch in der echten mitte der gesellschaft und ist verwurzelt in diffuse ängsten, vorurteilen und intoleranz.

vergessen wird bei nicht nur das diese menschen eine heimat aufgeben, die nicht selten aus interessen dritter keine mehr sein kann. je nach herkunft spielen oft auch die kommerziellen hintergründe der besser gestellten aufnahmestaaten eine rolle, wie wirtschaftliche ausbeutung oder die billiglohnproduktion. geiz ist geil…

im fall Tröglitz darf man nicht vergessen: dort sollten etwa 40 asylsuchende eine vorübergehende bleibe finden, die einwohnerzahl beträgt etwas über 2.700 menschen. ähnlich wie in Dresden bleibt der ort im bereich von weniger als 2% nicht einheimischer. zum vergleich: in Duisburg liegt der ausländeranteil bei 17,25% [quelle: wikipedia], also wären das für Tröglitz etwa 465 menschen. dann im osten von einer überfremdung zu sprechen und ängste in der bevölkerung zu schüren gleicht einer propaganda, die schon einmal massen verführt hat. damit soll aber nicht gesagt werden, fremdenfeindlichkeit sein ein ostdeutsches phänomen.

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foto: parcelpanic

und Tröglitz ist nicht überall, wie mancher politiker wie Reiner Haseloff (CDU /Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt) glauben machen will – aber es wird zum synonym. wenn ein Bürgermeister Nierth nach anhaltenden protesten wegen eben dieser paar asylsuchenden zurücktritt, weil er sich von politik und bevölkerung allein gelassen fühlt und bedroht wird, wenn ein Landrat glaubt, sich unter polizeischutz stellen lassen zu müssen, zeichnet es ein bild von neuen dimensionen. erst recht, wenn man dort vor dem mob einknickt und die zahl der plätze (wenn auch erst zunächst) reduziert…

wie hilflos die politik dasteht, zeigt auch die nun ausgelobte prämie von 25.000€ für hinweise zu den tätern des brandanschlags, nachdem über monate der Bürgermeister Nierth allein gelassen wird. Berlin ist hier klar aufgefordert, genauso jeder einzelne von uns aufgefordert stellung zu beziehen. zuwanderung ist mehr als als die gefahr der übervölkerung. sie ist eine humanitäre pflicht, eine demografische notwendigkeit und eine kulturelle bereicherung. wir alle sind auch gefragt für den schutz dieser menschen vor gesellschaftsfeindlichen subjekten zu stehen. rassismus höhlt die werte unsere demokratie aus!

p.s.: Tröglitz ist übrigens mehr als der brandanschlag einiger ver(w)irrter. bestes beispiel geben der designierte ortsvorsteher, der privaten wohnraum für die asylsuchenden bietet und die kirche, die aus dem stand eine mahnwache mit einer beteiligung von etwa 300 menschen organisiert hat. vorne an der ex-Bürgermeister, der aus sorge um seine familie sein amt niederlegte. davon allerdings liest man wenig…

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und wie früher üblich: musik ab!

Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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