Besinnliche Feiertage

(Keine Angst, ich will Weihnachten nicht ruinieren.smilie_grrr
Ich ziele weiter nach vorne, Jahreswechsel…)
 

ich bin just gut in übung und habe gute chancen, die distanz zwischen zwei fettnäpfchen könne nach mir benannt werden. deshalb stelle ich mal die behauptung in den raum, mindestens zwei drittel der geneigten Betrachterschaft habe seine erste jugend bereits hinter sich, etwa die hälfte derer sind vermutlich auch näher am zweiten frühling als an der volljährigkeit. aus dem grund gehe ich vermutlich in der annahme richtig, es könne von mehr als einer minderheit verstanden werden, mit den jahren hätte einen das gefühl eingeholt, die zeit verginge schneller. SchweiNachtsBäumedenen, die sich irgendwo zwischen diesen beiden phasen befinden lässt sich das am anschaulichsten anhand einer WC-tür verdeutlichen. die länge der zeitspanne von „Gleich“ und „Dauert nicht lange“ ist abhängig von der seite der tür, auf welcher man sich befindet… wer alt wird oder auf dem weg dahin ist, befindet sich in dem fall aussen. (womit die letzten klarheiten beseitigt wären?!)

gefühlt sind wir nach meinem empfinden kurz vorm frühlingsanfang. allerdings 2009… wenn also in den nächsten tagen das jahr 2014 für die realexistente restwelt anbricht, werden ausser mir sicher etliche nicht mehr ganz taufrische die leier beginnen, wie schnell doch das alte jahr ins land gegangen wäre, blablabla [3x]. wenn es sie ebenso nervt, wie etwa mich (wenn ich mir mal wieder selbst zuhöre, damit es überhaupt jemand tut und/oder ich mal wieder hören muss, was ich sage um zu wissen, was ich denke), kommen Sie mit wie etwas wie „lass doch die vertanen chancen ruhen, lerne für die zukunft“ oder sowas in der art. gefühlsdusselei, sonst nix!  (-;

aber wo wir eben dabei sind: neben den eigenen wünschen gehen wir in eine zeit, in der wir auch wünsche für andere haben sollten, vorzugsweise für die, die uns nicht auf dem magen am herzen liegen. und jene, die nicht soviel glück hatten, wie der eine oder andere, der das geschmiere hier zu verstehen versucht. dem grossteil, der zwar weder einen italienischen sportwagen, einen siebenstelligen €-betrag auf der hohen kante hat, noch eine millionen-designer-butze sein eigen nennt geht es „relativ“ gut. überfluss und verschwendung von ressourcen ist kein erkennungsmerkmal von gehäuftem kapital und wir klagen noch auf einem relativ hohen niveau, unter uns nonnenschwestern.

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das isser: Rhein / foto: parcelpanic

„die schwemme“ an etwa als „armutsmigranten“ oder „-touristen“ titulierten menschen, die ihre heimat in den wenigsten fällen freudig verlassen haben, ist zum grossteil hysterie, kaum mehr als eine gerne genommene worthülse und die bewegte luft zur schallübertragung. die zahl „echter Asylanten“ (also keine (N)€uropäer wie Bulgaren oder Rumänen) gibt das Sozialdezernat Duisburgs gegenüber der RP mit 1050 menschen an [1] . die menschen in den „problemhäusern“, deren zahl diese um ein vielfaches überschreiten dürfte, sind streng genommen menschen, die nicht anders als zum mauerfall zu berlin ins vermeindliche paradies strömten. im ganz grossen zusammenhang gesehen, hängt das auch mit dem €uro in ihrer tasche und dem Politwahn zu einem geeinten kontinent, gar der ganzen welt. wer selbst ohne passkontrollen, geldwechseln und dererlei durch das Gross€uropäischeReich reisen will, wird auch akzeptieren müssen, wenn menschen wegen Marginalisierung ein land verlassen und ihr glück lieber woanders versuchen, wenn es das gesetz so vorgesehen hat. und zwar für alle gleichermassen…

nur der vollständigkeithalber zur schwemme: im jahre 2012 wird die einwohnerzahl Duisburgs mit ca. 488.005 menschen angegeben, dagegen die 1050 flüchtlinge. und vielleicht noch, es befänden sich laut UNHCR-bericht etwa 45 (!) millionen menschen auf der flucht [2].

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wo rohe kräfte sinnlos walten… / foto: parcelpanic

beispiel Syrien: eine verzehnfachung in 12 monaten und in staaten, die im weltwirtschaftsranking auch nicht eben bei den vorderen 95% zu finden sind. dort sollen sich im land alleine 4,2 millionen menschen auf der flucht befinden, dazu kommen etwa 3,4 millionen, die (in 2013) ausser landes geflüchtet sein werden. so etwa 840.000 nach Libanon, 560.000 nach Jordanien, 200.000 in den Irak und etwa 600.000 in die Türkei. und €uropa? hat um die 50.000 menschen aufgenommen – nicht je staat, komplett – „tutto occupato!„.

Duisburg glaubt doch, von Bulgarien lernen zu müssen, thema Ordnungsmacht. da wundert es, wenn die etwa gleichwertige idee einer „antiflüchtlingsmauer“, wie sie dort derzeit zur abschottung der grenze zur Türkei entsteht [3] keine paten fand, einfach mal ausprobieren? die spitze auf den antifaschistischen schutzwall kann ich mir getrost schenken… nicht aber den gedanken, wenn für jede dorthin exportierte waffe ein mensch aufgenommen werden müsste, hätte sich das sicher bald relativiert?

wo waren wir abgedriftet?

richtig, jenes hohe nievau, auf dem wir klagen. und wie wir so etwas wie neudeutsch „unterschwelligem alltagsrassismus“ einlass gewähren. zum unterstützen genügt es bereits das zu tun, wozu fast jeder bereit ist: nichts – und die ganz harten nehmen sich selbst sich vor, als nächstes der versuchung zu widerstehen und üben, wie man wegsieht. und einfach weghören, wenn mal wieder jemand vom typ „ich hab ja nix gegen ausländer, (kunstpause) aber …“ gequirltes aus halbwissen und realitätsfremdem asi-TV abseiht. keine angst, die betroffenen haben i.d.r. keine lobby…

kein_bier_fuer_rassistenwo nicht gegen aufkeimende angstbeisserei aufgeklärt wird (wie jüngst rund um die neuen Containerunterkünfte an der Masurenallee), wo stadteilbewohner mit ihren ängsten und den tumben stammtischparolen ewig gestriger alleine gelassen werden, wo Stadt(teil)Tafeln so „normal“ geworden sind wie menschen an mülltonnen, wo selbst als schmerzfrei geltende helferchen den korn in die flinte schütten, da kann man sich bald die strassenbeleuchtung sparen. anders als Hamburg etwa, wo zwar augenscheinlich durch krawalltouristen für einen grossteil der gewalttätigen auseinandersetzungen regelrecht gesorgt wird, kann Duisburg nicht auf eine noch halbwegs dafür zu haltende bildungsschicht als puffer zählen. die kehrseite einer bürgerschaft, die einem ex-stadtdirektor zufolge sinngemäss zu „wenig gebildet und zu träge“ sei. eine einschätzung, der aber selbst optimistische abwahlunterstützer noch still attestieren mussten, sie zeuge vom wissen um die, deren wohl man … naja, Sie wissen schon.

wenn es also ab heute also um die kleinen und grossen wünsche geht und wir für uns satt sind (wer es noch werden kann), hoffe ich darauf, es könne noch der eine oder andere überbleiben, den man für jemand formuliert, der nicht in der selben haut steckt. vielleicht können wir, wenn einen kleinen moment dieses gefühl des zu-frieden-heit über uns kommt, etwas „teilen“ zu wollen. wie immer: man weiss es nicht…

allen ein paar gesegnete und besinnliche Tage

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[1] RP-online: „NRW sucht ein Flüchtlingskonzept“ – 31.10.2013
[2] UNHCR: Zahlen und Statistiken
[3] Die Welt: „Bulgarien-Mauer soll täglich 200 Flüchtlinge stoppen“ – 04.11.2013

 

Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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