„Herr Johann“

Stadt Duisburg ehrt „Heimlichen Helden“

am heutigen Freitag (20.12.2013) hat die Stadt Duisburg (Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit) im rahmen einer kleinen feierstunde im Mercatorzimmer (Rathaus Duisburg) besonders engagierte bürger geehrt.

Herr Johann & OB an der Rampe / foto: foto: Anita Bigdeli, J. Tekath

Herr Johann & OB an der Rampe, Feb. 2013 / foto: foto: Anita Bigdeli, J. Tekath

in diesem jahr hat man sich entschlossen, auch eine bemerkenswerte person im bemühen um die (provisorische) Gedenkstätte auszuzeichnen. wenn man auch nicht ganz allein darauf gekommen ist, die auswahl des vorschlag weist jedoch darauf hin, man könne sich mit dem background tatsächlich beschäftigt haben. hut ab!

Sören Link fand treffende worte, etwa als er das engagement „für eine würdige Gedenkstätte“ umriss oder anmerkte, der ihm ebenfalls bekannten inoffizielle titulierung „Heimlicher Held der Gedenkstätte“ könne man schwerlich etwas hinzufügen. der so geehrte ist Johannes Tekath, besser bekannt als „Herr Johann“, einem guten geist im hintergrund. er war selbst auf der Loveparade, zum zeitpunkt der unbegreiflichen ereignisse aber ausserhalb des gefahrenbereichs.

Herr Johann war seit den ersten tagen nach dem unglück, bis zur fertigstellung der heutigen Gedenkstätte so oft es die gesundheit zuliess an dem ort, der auch unter der bezeichnung „die Rampe“ bekannt ist. war, eigentlich – davon sieht man heute nichts mehr.

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(provisorische) Gedenkstätte Weihnachten 2012 / foto: parcelpanic (für BI)

unabhängig von sonnenschein und wetterlage war er vor ort, um nach den kerzen und dem rechten zu schauen. er hat viele aktionen rund um „gegen das vergessen“ und die ersten beiden Jahrestage aktiv begleitet. zusätzlich hat er lange auch am Mahnmal (Ausfahrt Oströhre) für ein sauberes erscheinungsbild gesorgt, weil ihm das immer wichtig war. die unstimmigkeiten anderer, ob und wer dort eigentlich in der pflicht wäre oder dem augenschein nicht im erforderlichen umfang nachkam, waren für ihn nie argument, auch nur einen gedanken daran zu verlieren, es nicht zu tun. man könnte es so verstehen: er hat ein stück der verantwortung übernommen, der sich die meisten wirklich verantwortlichen bis heute nicht gestellt haben. ungefragt und ohne aussicht, dieses engagement auch gewürdigt zu bekommen. im gegenteil wohl eher. davon abhalten konnten ihn nur gelegentlich nötige aufenthalte im Krankenhaus, auch meist mehr schlecht als recht.

in dieser geschichte um die provisorischen Gedenkstätte ist Herr Johann eine figur der ersten tage, nie der „ersten reihe“ und am wenigsten das, was man schon mal eine „rampensau“ nennt – eher unermüdlich, unauffällig. die geschichte der Gedenkstätte ist eine mit höhen und tiefen, bisweilen auch abgründen, die man bei an solcher stelle nicht erwarten würde. sie ist gezeichnet, besser überzeichnet in den dunklen tönen von kollateralschäden und schrillen nuancen des fremdschämens. für die Statt Stadtspitze, für die Drückerkolonne des „politisch gewollten“ und den veranstalter, um nur ein paar zu nennen.Presse war nie sein fall und so sind meist andere gesichter präsent, wenn man an die Gedenkstätte und ihr werden denkt. seinen platz hat er lieber auf der dunklen seite der linse entdeckt, um damit auch viele schritte vom sein und werden des ortes der katastrophe am „Alten Güterbahnhof“ (Unterführungsbereich Karl-Lehr-Straße) in Bilder zu fassen.

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Herr Johann sitzt Probe / foto: parcelpanic

die motivation für die unermüdlichkeit des Herrn Johann war der feste wille für eine würdige Gedenkstätte zu kämpfen, bis dahin würde er die provisorische mit erhalten. er selbst tat es nie für sich oder ein bild in der zeitung, für ihn war am wichtigsten, etwas für die Angehörigen tun zu können. mit dem dritten Jahrestag hatte er und die sich ein ähliches ziel oder wegpunkt gesteckt hatten ein kapitel abgeschlossen. wenn er heute dort gelegentlich vorbeischaut, wirkt er gelöster. die gestaltung hätte er sich auch anders vorstellen können, macht aber auch klar, es ginge nicht um seine vorstellungen. die der Angehörigen und Betroffenen seien die, welche sich hier finden müssen. und sagt mit dem nicht gesagten vieles…

seien Sie aber unbesorgt: dem mann wird nicht langweilig. sein leben war schon immer bewegt und daran hat auch sein unfreiwilliges ausscheiden aus dem berufsleben nichts ändern können. üblicherweise ist findet man ihn am seltesten daheim, wenn keine verabredung besteht. es ist ein wenig, als surfe er durch ein fast vergessenes web: sein facebook ist ein netzwerk echter menschen, sein Twitter das stadtgeflüster und seine nachrichten kommen auch ohne das er ein internet bedarf an. gebremst wird er weder vom wetter, noch von äusserlichkeiten – allein von der gesundheit, die immer wieder erinnert…

 

folgende kleine bilderreihe (excl. bild 7) hat Anita für uns von der kleinen feierstunde mitgebracht. nach ihrer schilderung war der geehrte recht angetan. Danke für die bilderkens!

 

dem geehrten die besten wünsche, die ihn sicher auf irgend einem realexestierenden wege erreichen werden.

p.s.: falls Sie Herrn Johann persönlich gratulieren zu gedenken: zur genesung verweilt er derzeit ausserorts. um ein paar tage geduld wird gebeten. *knicks*

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hintergrundinfo (c&p-quelle)

duisburg.de: Oberbürgermeister Link ehrt sozial engagiert Bürgerinnen und Bürger

Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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2 Antworten zu „Herr Johann“

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