Abschied vom „Gesellschaftpolitischen und sozialen Frieden“

oder „Im Schurkenstaat unter Generalverdacht“

in mir geht u.a. die frage um und dreht sich um sich selbst, warum der behämmerte Ami mit seiner scheinheiligen moralvorstellung (zumindest an andere) unbedingt wissen will, dass ich wirklich nichts zu verbergen habe?

keine fake, Duisburger Plakatwerbung / foto: parcelpanic

keine fake, Duisburger Plakatwerbung (2012) / foto: parcelpanic

und wieso es die interessiert, Angie aber damit nichts zu haben will? aber gut, die muss auch erst einmal verdauen. sicher geht das tief ins eingemachte, wenn einem der schein der unantastbarkeit so deutlich und in aller öffentlichkeit aufgezeigt wird. mal sehen, wie zukünftig das thema „Vorratsdatensepeicherung“ im guten alten Reichstag zu Berlin bewertet werden wird…

das bekanntwerden des vorgeblichen spionageskandal sollte nicht wirklich so überraschend sein. nicht wenn man sich den „gesellschaftlichen zeitgeist“ mit einer portion gesundem menschenverstand und bauchgefühl anschaut, statt auf das zu vertrauen, was einem ins wohnzimmer flimmert, über die weiten des www ins haus fliesst oder in der kneipe an der ecke hört, die vermutlich auch zu irgendeiner hippen eventlocation verkommen ist. kurz nach dem kuriosen angriff (friendly fire?) auf die freiheit der Weltpolizei am 11 September fand sich Deutschland (auch Du, Frau BundesAngie!) noch weit oben auf der liste jener schurkenstaaten, bei denen man mal richtig aufräumen müsse. Irak etwa. da wurden solange gründe gesucht, endlich einmarschieren zu können, bis man endlich einen konstruiert hatte. die neue masche, bewusst mit falschen „fakten“ zu hantieren scheint dabei mittel zum zweck zu werden. längst hätte man die angeblichen massenvernichtungswaffen selbst zum „finden“ ins land schaffen können. die dem Irakkrieg seinen demokratisierungskrieg einbrachte, mit u.a. dem ziel eine gruppe auszuradieren, an deren aufstieg vom höhlenbomberclan zur weltweit vernetzten terrormutter man selbst beteiligt war. und, wenn Sie sich noch immer fragen, warum wegen Massenvernichtungswaffen der Irak fast ausradiert wurde, der Iran aber unbehelligt bleibt: nein, nicht nur das öl. man hat einfach mal in den auftragsbüchern nachgesehen, was die „bündnispartner“ da so hingeliefert haben…

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Brauchen Gespräche nicht mehr selbst aufzeichnen – Politiker / foto: parcelpanic

aber zurück zur terrorzelle €urOpa. „Good old Germany“ hatte dem vernehmen nach wohl mindestens drei der für selbsterklärten gotteskrieger als unterschlumpf genügt, schulungszwecke. grund genug, die achse des bösen mal eben ein stückchen zu verlängern, erst recht, wenn sich Deutschland dann noch weigert, dem Iraker die Demokratie einzubomben? selbst den Amis dürfte nicht in den sinn gehen, wie man sich für eine friedliche nation halten kann, wenn man als einer der grössten rüstungsgüter und kriegswaffenverhökerer dieses kriegerischen planeten gilt? „klar, ihr baut die waffen, sorgt für munition, ladet durch und gebt die knarre dann weiter?“ – man weiss es nicht…

die ebenso scheinheilige wie unverständliche entrüstung um BundesAngies mobiletelekommunikationeinheit(en) zeigt aber auch in aller deutlichkeit, wie man geschickt von nationalen brennpunkten ablenkt. thema Regierungsbildung etwa? auch hier das seltsame gebaren von aufgebrachtheit um kinkerlitzchen. gemeint ist nicht einmal kaum erklärbare versuch, sofort noch ein paar versorgungsposten zu schaffen. politik scheint zu einem selbstbedienungsladen aus dem füllhorn des steuermichels zu verkommen, da gehört das dazu. gesprächsfetzen vom rande einer viel-reden-nichts-sagen infoveranstaltung zu einem umstrittenen bauprojekt: „ja, aber wenn alle in der regierung sind, wer sorgt dann für das gegengewicht?“ schön zusammengefasst durch einen werdenden parteisoldaten: „wer braucht schon eine Opposition? wir bündeln so das beste aus allen parteien, damit schliessen wir den wählerauftrag bestmöglich ein.“ mit einer überzeugung rübergebracht, die fürchten lässt, er glaube es sogar…

CityLights Duisburg / foto: parcelpanic

CityLights Duisburg / foto: parcelpanic

und der wähler? keine sorge. der grossteil der herde grast wieder friedlich und auf den imaginären tellerrand als demarkationslinie seiner interessen bedacht vor sich hin. das die stimme auf dem zettelchen nicht unbedingt im einklang steht, wofür man seine stimme gab – na und? die paar, die mahnende worte oder kritische gedanken äussern sind schnell als spinner abgestempelt, der „soziale frieden“ gesichert. man fragt sich immer noch, ob die abwahl da mit rechten dingen zugegangen sein kann – selbst wenn man nicht unbedingt erklärter gegner ihrer war – besonders im schatten einer weiterhin unaufgearbeiteten, vermeindlich abwendbaren katastrophe.

tag 1.192 nach der tragödie in Duisburg. was hat sich getan? erwartungsgemäss steigt zum jahrestag das allgemeine interesse, es lehnen sich einige weit aus dem fenster und leere worthülse stilisieren zu mitgefühl. man verlangt nach aufklärung, danach kehrt wieder ruhe ein. abgesehen von einer Gedenkstätte, die sich da wohl eher jemand selbst (und um sein bäumchen) an den ort des geschehens gebastelt hat, einem Mahnmal und einem Gedenkhain als verzweifelte Geste dritter kann man getrost sagen, die aufarbeitung werde anscheinend Kommisar Zufall überlassen. wären der um den vorturner des in Italien havarierten traumschiffes schon die ersten urteile gesprochen werden, kaspert die deutsche justiz noch herum und kommt nicht einmal in den bereich einer verhandlungsfähigkeit. neben dieser gewaltigen aufgabe, die keiner so recht angehen will, steht weiter unklar im raum, wie in zukunft dem ereignis und seinen folgen (würdig) rechnung zu tragen sei.

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ohne titel – foto: parcelpanic

als mitverantwortlicher einiger veranstaltungen 2011/2012 um das thema (incl. mehrtägiger mahnwachen) graut es mir zu sehen, wie nach dem vergangenen Jahrestag die entwicklung voranschreitet. am geld müsste es nicht hapern, es ist nicht eben wenig vakant. neben dem, was das system die Stadt (bisher noch) zur verfügung stellt, laufen auch spenden auf. ein nicht unerhebliche summe kommt dabei auch von Rainer Schaller, ex-verunstalter der Loveparade. der vertraut dabei auf jene, die schon in den vergangenen jahren nicht eben zugunsten derjenigen zu verfahren schienen, denen das geld zugedacht war – lesenswert dazu dieser Artikel auf dem AtaSe-Blog [HIER].

um am ende doch noch kurz ans eigentliche thema zu kommen: Duisburg ist weiter auf dem weg zu einem gesellschaftlichen sodom und gomorrha. wo man auch hinsieht, selbst bei offensichtlich für fehlentwicklung verantwortlich zu machenden faktoren hält man daran fest. mit dem 31. Oktober steht der MSV wieder vor der ständigen kippe ins ungewisse oder der entscheidung weiter der abwärtsspirale zu folgen – business as usual. zeitgleich lassen echte fans zu, dass extreme aller couleur den weg zum schulterschluss auf dem niveau eines ostdeutschen ausschlussvereins einleiten. vom verein brauchen sie keine hilfe zu erwarten, wird der doch augenscheinlich nicht mit den eigenen fertig…

so wie der andere traditionsverein am Burgplatz. auch hier hat man ein bischen am (versorgungs) personalkarussell gedreht, ringt um die lizens und den klassenerhalt. aber diese art der problembewältigung scheint dem zeitgeist geschuldet. sämtliche ruinen stehen still und unbeachtet in der gegend rum, vielleicht findet sich ja auch da noch ein geistlicher? ich könnte ruhiger schlafen, als nicht-kirchensteuerzahler…

 

der kl dickep.s.: vielleicht kann mit der vermutlichen diesjährigen ehrung eines aktivisten um die betreuung der provisorischen Gedenkstätte ein zeichen entstehen… man weiss es nicht?

 

Über parcelpanic

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Eine Antwort zu Abschied vom „Gesellschaftpolitischen und sozialen Frieden“

  1. zebra19682013 schreibt:

    NöNö diesmal bin ich völlig unschuldig😉

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