Duisburg und seine strahlende Zukunft

Strandgut der Atompolitik

zur erinnerung: GNS betreibt im Duisburger Süden eine konditionierungsanlage für die bundesweite verarbeitung von mittelradioaktivem atommüll mit einer genehmigung von bis zu 3.300 tonnen. es handelt sich dabei nicht um ein zwischenlager, auch wenn dort unter freiem himmel  und unter ausschöpfung der auslegung bis zu vier jahren material „geparkt“ werden kann…

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DerWesten:

3300 Tonnen Atommüll und kein Endlager

29.05.2013 | 00:18 Uhr

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) macht weiter Druck gegen die Atommüll-Konditionierungsanlage der Firma GNS im Stadtteil Wanheim. Als am Wochenende 130 Landesdelegierte des NRW-Verbandes in Duisburg tagten, stand das Thema erneut auf der Agenda. Sie verabschiedeten einstimmig eine Resolution als Appell an die Landesregierung, „endlich offen und transparent die Schließung der Atommüll-Konditionierungsanlage in Duisburg voranzutreiben.“ Die GNS-Anlage sei ein „nicht zu verantwortender Teil der atomaren Brennstoffkette“, sagte der neu gewählte Landesvorsitzende Holger Sticht. […]

… zum Artikel …

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Unfall Bahnquerung bei GNS Nov. 2011 / foto: parcelpanic

Unfall Bahnquerung bei GNS Nov. 2011 / foto: parcelpanic

es wird eng für die staaten, die immer noch kein eigenes Atomprogramm ihr eigen nennen. der atomare schrecken verliert sich. kaum mehr als zwei jahre nach Fukushima ist der schrecken für zivil und entsprechend -isierte menschen mindestestens soweit weg, wie Tschernobyl. oder der gedanke, so etwas könne wieder passieren. oder gar hier…

aber Duisburg liegt ja weder in der Ukraine, noch kann ein Tsunami diesem fleckchen erde etwas anhaben. die stadt liegt schliesslich an keiner tektonischen verwerfunglinie, eher an einer sozialen. aber die lösen auch keine bewegung aus, nicht in der erde, nicht im wasser und schon garnicht bei den menschen. wen soll da interessieren, wenn ein paar tausend tonnen kontaminierter müll gelagert werden, als handele es sich um altmetall, kohle oder stückgut? warum sollen einem da zweifel kommen, wenn jedes leergutlager besser gesichert zu sein scheint, als ein unternehmen der tragweite von GNS?

Achterbahn auf Sondermüll / foto: parcelpanic

Achterbahn auf Sondermüll / foto: parcelpanic

das ganze ist schon deswegen ein bischen paradox, wenn windkraftanlagen in einem anstand von einigen hundert metern zu bewohntem gebiet stehen müssen und man weiss, die nächsten anwohner von GNS wären nur etwa 100m luftlinie entfernt. aber so wie man an anderer stelle zum thema mindestabstand immer noch nichts gelernt zu haben scheint und (wie beim FOC?) erst einmal für fakten sorgt, um sich dann vermeidbaren problemen nicht zu stellen, darf man getrost davon ausgehen, den aussagen der politik könne man mit ruhigem gewissen glauben schenken (alles im grünen bereich!). aber ist es nicht auch paradox, wenn es die menschen stört ihren eigenen zivilisationsmüll an jeder ecke zu sehen (waren immer die anderen!), aber kein hahn danach kräht, was aus dem grossbrand in Krefeld wurde?

langsam sollten wir zum zynischen teil des beitrags kommen, erfahrungsgemäss fällt etwa in diesem teil die lesebereitschaft deutlich ab. wenn nun GNS wirklich mit dem gedanken spielt, Duisburg den rücken zu kehren (wenn es jemand anderes bezahlt), wäre es sicher bösartig zu nennen, zu sinnieren ob die neue nachbarschaft in irgendeiner weise da vielleicht einfluss hat. vielleicht möchte irgendein verantwortungsvoller arbeitgeber sicher stellen, seine mitarbeiter bei bester gesundheit zu halten? ok, … das war wirklich zynisch, sorry!

die anwohner, z.t. vielleicht auch nicht interessiert oder aus anderen gründen umgestimmt, werden kaum diesen sinneswandel eingeleitet haben. während ihr Auto ohne eine mindestens gelbe plakette zu einem umweltproblem verkommt, schauen die dabei zu, wie von ausserhalb dieser umweltzone ein stahlgigant für dicke luft sorgt. fragen Sie sich da mal durch den stadteil, ob jemand Thyssen kennt. und dann fragen Sie nach GNS… da sind die strahlemänner doch willkommene nachbarn, die machen das ganze noch ohne sichtbare emission und atom riecht auch nicht!

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Terrorsicherer Zugang… / foto: parcelpanic

was werden könnte, sollte der ungewünschte fall einer bodenkontamination eintreten? das ist das kleinste problem. was den boden dort früher unbrauchbar bis gesundheitsschädlich hat werden lassen, hat man aufgeschüttet und nennt es heute „Heinrich-Hildbrand-Höhe“. aber und das macht es so ansehnlich, es hat ein schickes Kunstwerk bekommen…

nach GNS entstand eben jene ehrwürdige landmarke, die vielleicht auch als zeichen des strukturwandels auf einer aufgeschütteten sondermülldeponie von der genalität zeugt, mit ein paar milliönchen und kunst die eine erbsünde zu verstecken, um damit den blick auf die nächste freizugeben.

in dem sinne: lieber radioaktiv als fernsehfaul?

p.s.: wenn Sie schon keinen „Problem€uropäer“ aufnehmen wollen, dann vielleicht ein bischen von den 3.300 t Atommüll? irgendwo findet sich doch sicher im keller noch ein plätzchen?

andere Posts dazu:
Die Restetonne der Republik – 08.11.2012
No AtomStrom In My WohnHome! – 12.10.2012
Wenn alles strahlt… – 19.06 2012
Wenn in Duisburg etwas strahlt… – 30.05.2012
Hurra, eine strahlende Zukunft! – 02.12.2011
 

Über parcelpanic

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