Duisburg hat kein Problem – Duisburg ist (s)eins

Eine Stadt auf dem Weg ins völlige Abseits?

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Duisburg gewinnt an Fahrt, deutlich zunehmend. Abwärts geht es, in voller Schußfahrt, immer dem Klippenrand entgegen, mit dem Finger fest auf andere zeigend…

Und das ewige Klagelied des kleinen Mannes ja „nichts ändern zu können“ auf den Lippen

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A59 – Alter Güterbahnhof / foto: parcelpanic

noch kaum 30 jahre her, da war die gegend noch der motor der region

heute verteilt sich der wohlstand konzentrierter und eher nicht hier. der plan war, Duisburg aus der tiefen krise einer mit dem strukturwandel überforderten Stadt zu holen. der wunsch dazu, Duisburg in der welt berühmt zu machen, als teil  eines Psychotop einer gewaltigen „RuhrMetropole„. das mittel dazu sollte die Loveparade sein, eine mischung aus Massen-Mainstram-Techno und tolle-leute-wanderzirkus, die bilder einer wie zum trotz ihrer prekären situation feiernden RuhrMetroPole in die welt hinaus schicken sollte. als wollte man sagen:

Aus der Roten Laterne des ewig Letzten machen wir den Grundstock einer Lightshow!

wenn man geld gehabt hätte, um es in die hand zu nehmen und dafür eine gute show hätte kaufen können – vielleicht wäre der plan aufgegangen. aber sich dazu eines profitgeilen wanderzirkus ohne netz, ohne doppelten boden zu bedienen? der, wie wir heute zu wissen glauben, nicht mal in der lage war, selbst weit unterhöhlte mindeststandarts zu erfüllen und nur mit dem ausdrücklichen „politischen Willen“ zu einer rechtlich zweifelhaften genehmigung kam, was sie auch über 31 monate nach dem disaster des 24.07.2010 noch ist.

08.10.2011 / foto: parcelpanic

(provisorische) Gedenkstätte 11/2011 / foto: parcelpanic

was von dem plan blieb? zumindest die erwartung Duisburg in der welt bekannt zu machen, kann als erfüllt angesehen werden, wenn nicht gar übertroffen. und es ist der scherbenhaufen, den niemand zu verantworten haben will, weder politisch noch justiziabel. wenn auch verschiedene mühlen bekanntlich langsam mahlen, sie sollten dabei schon erkennbar auch in bewegung bleiben? und hier treffen wir auf eine schnittmenge mit dem thema oben…

solange medien sowie brot und spiele von den wirklichen problemen ablenken können, wundert niemand diese armut in einem an sich reichen land. klingt es gewagt, von einer „Ghettoisierung“ zu sprechen? klingt der begriff „Armutsforschung“ irgendwie deplaziert, in sich? Christoph Butterwegge ist so einer. für ihn gelten menschen nicht als arm, weil sie obdachlos sind oder zu verhungern drohen. er sagt:

[….] Da es keine einheitliche Armutsdefinition gibt, sehe ich Armut dort, wo in unserer Wohlstandsgesellschaft viele sich das nicht leisten können, was für die meisten normal ist.“ […] [1]

die diskussion, sie scheint endlich auch da angekommen, wo sie die menschen, die es auch betrifft erreichen kann – inne glotze! nach dem Duisburg und seine Zuwanderer bei „Menschen bei Maischberger“ und statt Frühstück Fernsehen?Sat1-Frühstücksfernsehen“ ihren sendeplatz fanden, nun OB Sören Link (ausgerechnet) bei „stern tv„…

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„… nur Braun kann jeder …“ / foto: parcelpanic

damit dürfte dann auch endlich beim letzten Duisburger oder denen, die es partout bleiben wollen, angekommen sein, es habe nichts rassistisches an sich, wenn man solche probleme auch mit dem nötigen fingerspitzen gefühl angeht. das es probleme gibt, dürften nur noch völlig schmerzfreie zeitgenossen nicht sehen wollen. es soll schon vermehrt menschen geben, die verstehen, dass nicht auch gleich hiesse, die menschen dahinter als das problem zu betrachten (etwa wegen ihrer herkunft) – mit aussnahme des Herrn Mahlberg vielleicht…

zuwanderung hat es immer gegeben, seit sich menschen einfallen lassen haben grenzen zu ziehen…

auf der anderen seite des bach ist das gras immer grüner“ – der zuzug, für eine bestimmte zeit oder auch für immer war, ist in verschiedenen regionen sehr unterschiedlich geregelt und daher auch sehr unterschiedlich in seiner ausführung. heute kennt man gar verschiedene gruppierungen – um nicht worte wie klassen oder kasten zu verwenden… und selbst bei den ausländern erster klasse, €uropäer genannt, gibt es noch himmelweite unterschiede, mit einem scheinbaren NordWest/SüdOst-gefälle. und der zahlungskraft, in erster linie.

die zeiten haben ebenfalls veränderungen des einfallens andersstämmiger gebracht. während beispielsweise der alte Hannibal noch mit Benjamin Blümchen & Co über die berge einfallen wollte, brachte mein grossvater im Sommer 1944 seinen panzer mit übers wasser, um hier ein wenig zu siedeln. da kann man froh sein, wenn andere volksgruppen das heute nicht mehr tun?

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„Guter“ Plan? / foto. parcelpanic

aber zurück zu heute: wenn ein „Neuer Plan“ die fortsetzung zum alten ist, nämlich dem anschein nach keinen zu haben und sich auch nicht sichtbar um einen zu bemühen, beschleicht einen mit einem kalten schauer über den rücken die frage, wann Duisburg wieder zu trauriger berühmtheit gelangt. die anzeichen, sich irgendwann in nicht all zu ferner zukunft in der sparte Rostock-Lichtenhagen einordnen lassen zu müssen, sie mehren sich.

Duisburg, es wird sich selbst überlassen. viel schlimmer noch: man überlässt es und seine bevölkerung denen, die aus der Stadt einen Herd bandenmässiger kriminalität machen wollen, Clanchefs aus der halben welt und unterschiedlichster nationalitäten, geldmachern aller art und sogenannte Rocker oder auch gefühlt nicht weit davon weg Politikern, die sich einen feuchten kehricht um ihre verpflichtung „schaden vom volke abzuwehren“ kümmern.

als tüpfelchen der weichspülerei „Gauck“-elt man sich noch vor wenigen wochen vor, es sei ja alles garnicht so schlimm…

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alles so schön bunt hier? / foto: parcelpanic

nennen Sie sie, wie Sie wollen, es bleibt im ergebnis die entwicklung zu einem sozialen brandherd. und das, obwohl Duisburg keine Stadt ist, die grundsätzlich probleme mit ausländern hat. im gegenteil. der kollege, solange man noch einen job hatte, ein Türke, Spanier, Italiener… jahrzehnte lang und völlig egal. man hat die menschen nicht an ihren reden, sondern an ihren taten beurteilt. damals galten hüben wie drüben noch werte, was nun vielleicht wirklich konserativ klingt.

„Die Gesellschaft“ macht sich nicht selbst. es ist der mensch und sein umgang mit den anderen, insbesondere auch den schwächeren.

Du und ich, wir und „sie“ ≡ mit-einander statt gegen-einander…

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Welt am Sonntag – 24.02.13:

Bulgarien mitten in Duisburg

Von Kristian Frigelj

Falsch geparkte Autos sind nicht zu sehen, genauso wenig herumlungernde Gruppen auf dem Bürgersteig. Auch der Müllberg am siebenstöckigen Haus ist verschwunden. […]

[…] Die Zustände in osteuropäischen Armenvierteln sind plötzlich bis auf wenige Meter an die deutsche Wohlstandsgesellschaft herangerückt. „Da prallen Welten aufeinander. Die Integration kommt an ihre Grenzen“, hört man in nordrhein-westfälischen Sicherheitskreisen. Polizei und Ordnungsamt in Duisburg patrouillieren häufig und müssen immer wieder schlichten. Die Polizei kommt in einem Einsatzbericht vom September 2012 zu einer beunruhigenden Einschätzung: „Solange die Menschen in dieser Form ungeregelt zuwandern und sich ebenso ungeregelt ansiedeln, sind die Probleme polizeilich nicht beherrschbar.“ […]

… zum Artikel …

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siehe auch:
DerWesten: „Duisburger fühlen sich mit Armutsflüchtlingen alleingelassen“ – 01.03.2013
 
quellen:
[1] Impuls 06/2012 (print): Christoph Butterwegge – „Armut in einem reichen Land“ Seite 10

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p.s.: sich mit solchen themen auseinandersetzen zu wollen birgt immer die gefahr, in eine falsche ecke gedrängt werden zu sollen. sich nicht mit dem thema zu beschäftigen unterstützt leute, die es versuchen…

 

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Über parcelpanic

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