Im Wandel des Seins

Der Ort, den wir als provisorische Gedenkstätte kannten, hat seit heute nüchtern betrachtet den Status „Baustelle“. Der Anfang ist gemacht…

20.02.2013 – 11:45Uhr, irgendwo zwischen verpasstem zweiten frühstück und dem vergessenen mittagessen ein anruf: „nun ist es wirklich soweit. es wird nun abgerissen! es ist das, was wir als „Häuschen“ kannten…

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Foto: Anita B.

ich selbst hatte mit „viel arbeit“ mal wieder die passende ausrede parat, um nicht dabei zusehen zu müssen, wie der bagger stück für stück das obergeschoss des Häuschen in diverse recylinghäufchen verwandelt. so bin ich erst dazu gestossen, als der maschinist den bagger fast in den feierabend geschickt hat. das massive untergeschoss wird dann wohl heute (Donnerstag) folgen. eindrücke dafür, mit dem fernbleiben richtig gelegen zu haben, liefert u.a. Anitas Facebook Fotoalbum „Jetzt arbeiten die Bagger 😦 „ [HIER]

wenn man derzeit auf die schwindende provisorische gedenkstätte zuläuft, trifft man auf einen Bauzaun, etwa am verlauf des bürgersteig orientiert. dahinter auf eine andere welt. wirkt der bereich bis zum ende der treppe auch recht unberührt, fast ursprünglich, ändert sich das bild schlagartig. wenn man (in begleitung und mit erlaubnis) der baustellenbereich oberhalb der rampe betritt, an dem sich die „rückbauaktion“ derzeit abspielt, findet man kaum etwas, wie es war. sauber getrennt die bisher abgetragenen teile der landmarke, bizarr anmutend, dazwischen eine alte feuerstelle. bilder des letzten Jahrestag drängen sich ins bewusstsein, damit einhergehend die frage was werden wird… und die ungewissheit.

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Foto: Anita B.

mit dem „Häuschen“ geht eines der wahrzeichen des ortes, der auf tragische weise eine andere weltweite aufmerksamkeit erfuhr, als die fehlplaner sich das erhofft hatten. statt hunderttausender multiplikatoren, die jene kunde Duisburgs von der l(i)ebenswerten stadt über alle grenzen tragen sollten, steht Duisburg heute für die steigerung von „Murphys Gesetz„:

„Whatever can go wrong will go wrong.“
(„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“)
 

Duisburg scheint da soweit (r)evolutioniert, nicht nur etwas schiefgehen lassen zu können, was eigentlich garnicht (nie-nicht-niemals…) schief gehen könnte. nein, hier muss etwas noch nicht einmal sein – egal – „wird schon schief gehen!“

nachdem sich die gerüchte um den beginn zum „rückbau“ an einem teilabschnitt verdichteten, war es dann also heute soweit, der bagger rückte tatsächlich an. mit ihm ein Trupp an Abbrucharbeitern und ein bereits bekanntes und dort gerne gesehenes gesicht:

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Foto: Anita B.

Nils von der BSG (Bremer Sand-Handelsgesellschaft mbH / HP HIER). er war eigens und auf ausdrücklichen wunsch von „Baustellen“ Kurt vor ort, um zu koordinieren und für fragen zur verfügung stehend. man muss neidlos gestehen, der MöbelMogul verstehe etwas von der auswahl, mit welchen leuten man sich zuverlässigkeit einkauft. wenn Ihnen mal morgens einfällt, sie müssten mal eben ihr 35 stöckiges bürohaus einreissen, um nächsten monat den ersten indoorgolfplatz auf 18 etagen und einer vertikaler Driving Range zu errichten: Nils und sein Trupp machen das. sogar mit fingerspitzengefühl. das diese aufgabe nicht eben dankbar sein muss, scheint ihm irgendwer im vorfeld schon gesteckt zu haben, um so überraschter war er wohl nur auf bekannte gesichter zu stossen, angenehm sogar.

als die kunde verlautete, das häuschen sei keine option mehr, vermutlich auch die stele als ersatz nicht, tauchte auch gelegentlich die frage auf „und nun?„. diese frage wird jeder für sich beantworten müssen. das damit eines der bedeutungsträchtigsten symbole des ortes geht um einer straße zu weichen, hat keine auch nicht erwarteten begeisterungsstürme oder Like/Daumen_hoch-stürme bewirkt. vielleicht konnte auch nur die wichtigkeit in über 30 monaten nicht vermittelt werden… man weiss es nicht.

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Foto: Anita B.

aber dafür eine tragfähige lösung zu gefährden, die bisher keinen öffentlichen entrüstungssturm derer, die in erster linie gefragt sind hervorgerufen hat, ist mehr als vermessen. ein wunsch wäre eher, das desaster ungeschehen zu machen, als dieses alte, lange aufgegebene gebäude weiter erhalten zu sehen.

es wäre dann wesentlich leichter, sich z.b. an fragen zu reiben, was ausser den Möbelbuden da wann noch entstehen wird, und ob. jene parkähnliche Büro- / Wohn- / Parklandschaft z.b., wie man sie nach 36 Millionen verbuddelten SteuerMichel€uronen z.b. am RheinPark noch vermisst. darf man sich derzeit sparen, …mit zwei herzen in der brust.

wenn es mal wieder den eindruck erwecken sollte, ich könne dem Herrn Krieger irgendwie keine dankbarkeit entgegen bringen, es muss nicht täuschen. falsche zeit, falscher ort, mal selbstkritisch, ist man selbst nicht weit von den 20% weg? wo fängt das an oder ist das wie schwanger sein? „ein bischen“ fällt nicht in die möglichen auswahkoptionen. man möge mich bei passender gelegenheit, etwa dem 25. jahrestag im jahre 2035, daran erinnern, da wären noch einige imageungünstige fragen, die man sich bis dahin irgendwo im körper verkapselt hat. aber dann…

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Hallo?-button / foto: parcelpanic

wenn es halbwegs gerecht zugehen soll: das er sich nach dem 05.01.2013 noch zu weiteren gesprächen mit einer anscheinend lösungsorientierten menge bereit erklärte und konstruktiv beteiligt war, chapeau! diese gelassenheit und weitsicht hätte man sich gewünscht, als die „never ending story“ ihren anfang fand. es gibt dinge, die sind nicht nur laut werbung unbezahlbar. etwa statt dem damaligen OB ein anderes als das Ostermann-ultimatum zu stellen (schlimmer noch: sich nicht dran halten). Gedenkstätte nach plänen der Angehörigen und Betroffenen, die Stadt tut das bisherige dazu, was sie am besten kann, also nichts und durchwinken oder sonst keine Möbelbuden und weitere 15 jahre „Duisburger Brache“. quasi die härte an der richtigen stelle… na, wie hätte sich eine „Kurt Krieger Allee“ angehört?

vermutlich wird keiner darauf aufmerksam machen, die sicherung der objekte (schändung) wäre demnach zeitnah und kaum überstürzt gewesen. mag sein, es sei „fairer“ heute noch darüber diskutieren zu wollen, ob man überhaupt darüber diskutieren dürfte. und wenn, wer. und mit smilie_skepsiswem. und wer eine meinung dazu haben dürfte. oder gar eine eigene. allein, worüber will man am ende der woche noch reden? und dann zu beginnen… ich weiss nicht so recht.

der weg bis zu dem langatmig erkämpften kompromis, den man bereits schon einmal beendet geglaubt hat und das gerangel bis dahin machen klar, man könne höchstens glauben, was man selbst sehe. und oft auch davon nur 50% oder maximal die hälfte…

nur: welche?[*]

[*] sind ja schliesslich mindestens … drei? smilie_frech_055

p.s.: und man grinst in sich rein, wenn man sich dabei erwischt, umschreiben zu wollen, wer so da war und man „die üblichen verdächtigen“ tippelt… *radiert*  (-;

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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