Und plötzlich ist alles ganz einfach…

WildCard?

die vergangenen wochen, seit dem am 05. Januar 2013 die verhandlungen zur (ständigen) Gedenkstätte ausgesetzt wurden, waren eine (mal wieder) bewegte zeit. die direkte lösungsfindung, eine eigeninitative Hinterbliebener abseits vom verein, scheint die wahl des richtigen mittel gewesen sein, angesichts der ergebnisse und der akzeptanz. das alleine zählt.

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November 2012 / foto: parcelpanic

wenn sich nun einige übergangen fühlen oder / und auf den schlips getreten, weil es eigentlich ihre aufgabe gewesen wäre, wenn man sich das schon zutraut, lässt sich das sicher verschmerzen. oder als hinweis verstehen? etwa so, wie die maximalforderung noch einmal ganz ans ende eines für sie selbst als gescheitert zu betrachteten findungsprozess zu setzen. das gleicht dem versuch, wenn mir jemand etwas sowieso nicht verkaufen will, ihn damit überzeugen zu wollen, seinen besten preis noch zu halbieren. klingt nur bedingt überzeugend?

„der eine meter mehr“ und die diskussion darüber, „doch besser keine, statt der“ kommenden Gedenkstätte haben zu wollen, disqualifiziert ihre wortführer durch den schlag ins gesicht derer, die lieber kein Opfer zu beklagen hätten, statt für diesen ort streiten zu müssen… kein entwurf der welt könnte alle interessen jedes einzelnen berücksichtigen.

„der eine meter mehr“, jener geisterfahrerbegriff der letzten tage, entlarvt die, denen es nicht in erster linie um den ort an sich geht und macht klar, wie schnell da vergessen wird, mit wieviel weniger man schon da stand. man möchte genauso undifferenziert und dummdreist antworten: „insgesamt sind das 650qm, wieviel mehr müssen es noch sein?“

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Wenn die Bagger anrücken / foto: parcelpanic

„der eine meter mehr“ ist der unterschied zwischen einem gedankenlosen Investorenbau, der mauern über orte zieht, an denen menschen zu tode kamen und einem kompromis zu einer  Gedenkstätte. die problematik des nicht eben ausladenden bereich von der Karl Lehr Straße, der nur wenig breiter ist, als die ihn umgebenenden mauerwerke und die resultierende wirkung bleibt. die nur etwa 120qm „gepflastere fläche“ (der rest ist „parkähnliche anlage“), die effektiv als nutzbar im sinne einer Gedenkstätte zu betrachten sind – darin liegt auch eine, wenn nicht die herausforderung der künftigen ausrichter der Jahrestage zum 24.07.! und das wo die noch nichts steht, aber der Jahrestag nur etwa fünfeinhalb monate entfernt ist…

„der eine meter mehr“ hätte der erste überhaupt sein können, der errungen werden müsste, damit man überhaupt einen hätte, den man „verteidigt“ und von dem man hätte vertrieben werden müssen. wie man gerne ungesagt lässt, wer den grundstein im September 2010 dafür gelegt hat, damit dort überhaupt etwas ist, dass es zu verteidigen galt, fragt man auch nicht, wer das unterhalten hat. weder die Stadt Duisburg, noch einer der vereine oder stiftungen hat sich bis dato, (von den Jahrestagen und zu Presseterminen mal abgesehen) dort regelmässig um den erhalt der fläche gekümmert. bis zuletzt menschen wie dem „heimlichen Helden wider willen“, Johannes T. – besser bekannt als „Herr Johann“, der dort seit den ersten tagen der (provisorischen) Gedenkstätte (so oft es sein gesundheitszustand zulässt) täglich mindestens einmal nach dem rechten gesehen hat.

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Karl Lehr Str. Mai 2012 / foto: parcelpanic

wenn man nicht selbst dort hand angelegt hat, bei schnee und minusgraden, lässt sich das natürlich leichter aufs verloren geglaubte spiel setzen?

und „der eine meter mehr“ macht hoffentlich auch den unterschied zu einem ort, um die sich keiner kümmert. wenn die (provisorische) Gedenkstätte in naher zukunft weicht, um platz zu machen für den ort, den man beschlossen hat werden zu lassen, geht mit ihm auch das, was sie „lebend“ hielt und was Dr. Motte den „spirit“ (von etwas) nennt. was nicht passieren darf, steht als mahnendes Mal am östlichen ende der unterführungsanlage der Karl Lehr Straße. ein ort ohne bezug, ohne seele. ohne menschen im hintergrund, die nach dem rechten sehen, den ort begleiten, aufmerksam machen und ihm leben einhauchen. dieses mahnmal war zu früh. und steht demnächst vor dem hintergrund der rückseite eines Möbelhochregallager…

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Wenn es Nacht wird / foto: parcelpanic

seit dem 24.07.2010 und den tragischen ereignissen einer vermutlich nicht genehmigungsfähigen, aber auf-teufel-komm-raus „politisch gewollt“ und für machbar erklärt und durchgezogen Loveparade ist diese Gedenkstätte ein kleines mosaik für die Hinterbliebenen, Betroffenen und Duisburger auf dem weg zurück in ein „normales“ leben mit dem ereignis. wie die aufklärung und das nicht nachweisen müssen von bereits mit amtsantritt übernommener politischer und moralischer verantwortung fehlen sogar noch diese ersten stücke. nach über 30 monaten. das einem irgendwann mal der atem und die kraft ausgeht, zu erwarten. auch deswegen wird man mit diesem ergebnis leben müssen.

vergänglichkeit / foto: parcelpanic

vergänglichkeit / foto: parcelpanic

19 von 21 hinterbliebenen stimmen laut presse und Notfallseelsorge dem ergebnis wie es bekanntch ist zu. kann mir nicht vorstellen, es könne noch jemand eine mehrheit finden, ein weiters mal auf anfang gehen zu wollen…

mit diesem ort, der die kommende, ständige Gedenkstätte werden wird, verbindet sich auch die hoffnung, auf mehr miteinander derer, die zwar in eine richtung maschierten, sich aber auch gerne gegenseitig im weg standen.

das, was dort entstehen wird, ist vieler eltern kind, ein ergebnis verschiedenster und damit die chance aufeinander zugehen zu können.

in dem sinne: Glück Auf!

und musik ab…

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Über parcelpanic

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