Daheim in der Fremde

Zu Gast bei … wem eigentlich?

wer in Duisburg quartier nimmt, erlebt anfangs oftmals einen kulturschock. abseits der wenigen als kulturträchtig verdächtigen locations präsentiert sich das stadtbild wie eine kulisse zu den früheren der SchimanskiStreifen.

Journey 04 / foto: parcelpanic

Journey 04 / foto: parcelpanic

beim zweiten blick trübt sich diese relativ heileweltromantik schnell ein. hatte doch zu der zeit des RuhrpottBullen u.a. noch ein grossteil der heute zu BedarfsgemeinschaftsAlphatieren degradierten noch ein ein-, sowie auskommen mit seiner lohntüte. wenn sie dann heute überhaupt noch einem broterwerb nachgehen wollen würden. zu der zeit hiessen menschen wohl auch noch eher Kollege, Nachbar o.d.gl. … ohne hinzufügen zu müssen, welcher topographischen, ethnischen, religiösen oder was-auch-immer herkunft der mensch ist. heute scheinen wir nicht nur ausländer als andere menschen sehen zu sollen, es gibt sie demnach auch in verschiedenen wertigkeiten. das zumindest könnte die entwicklung um die politisch vernachlässigte problematik in Duisburg und die  gefühlte bürgermeinung vermuten lassen? mancherorts schwingt da schon ein leicht latentes rechtslastiges vokabular mit und sucht eingang in den alltag. wehret den anfängen…

auch und besonders in Duisburg wird die ganze tragweite des sozialen kaputtwirtschaften der letzten dekaden sichtbar. (und schafft platz für weitere futterstellen der braunen brut)

A59 Einfahrt zur Unterführung Bhf-platte / foto: parcelpanic

A59 Einfahrt zur Unterführung Bhf-platte / foto: parcelpanic

verstärkt wird das auseinanderklaffen der vielzitierten sozialen schere noch durch ein hArtzliches gleichmachen: unabhängig, ob jemand in dritter generation gewollt leistungen empfängt oder sich über jahre den buckel für die wirtschaft krumm gemacht hat – nach einer kurzen spanne landen alle in einem mit sich selbst überfordertem system – eine nummer unter zehntausenden. die bemühungen des apparates, dem man vielleicht schon fast 20 jahre solidarisch einen teil seines kargen erwerbs überliess, kann man besser unkommentiert lassen, wenn denen auch nichts besseres einfällt als zeitarbeitsbuden… dort scheint man so mit sich selbst beschäftigt, man bräuchte fast keine klientel?

abseits der desaströsen vollkaskomentalität, in der eigene gesellschaftliche verantwortung mit dem kreuzchen hier und da und ggf. steuern zahlen erbracht zu worden scheint,  kontraproduktive vorgehensweisen wie schwarzarbeit (möglichst neben dem empfang von leistungen aus der „Gemeinschaftskasse“) und steuerhinterziehung als kaverliersdelikte quer durch die gesellschaft toleriert werden, wenn das geld dann da ankommt, wo es dem allgemeinwohl dienend eingesetzt werden soll – was passiert dann damit? … eben. Duisburg ist auch nicht eben eine Stadt, die an allgemeingültig schönen plätzen overdressed ist. man sieht ihr den staub, der noch an bessere zeiten erinnert weiter an, was auch der ständigen nachfärbung von grossindustrien geschuldet sein dürfte, die indes einen bruchteil der abhängig beschäftigten benötigen um immense gewinne an aktinäre zu verteilen, während zu ungunsten der nachhaltigkeit gewirtschaftet wird.

melting power / foto: parcelpanic

melting power / foto: parcelpanic

wenn sich in einem boden mal wieder etwas findet, was da nicht sein sollte, wird halt einer der vergangenen unfälle dafür versucht verantwortlich zu machen, die sich beim besten willen nicht vertuschen liessen. wer wollte das aufklären? die industrie? die politiker? was kümmert durchweg im hinteren bereich der lebenskala angekommene, wie unsere gesellschaft oder gar der planet in 30 jahren aussehen?

Duisburg wird, anders als andere Städte, nicht von einer breiten bevölkerung getragen. die diversen fürsprecher einer anderen entwicklung zerreiben sich im wettlauf gegeneinander, finden keinen weg die kräfte gebündelt zu nutzen. die wenigsten der inaktiven Wählerherde interessieren sich für mehr, als was hinter dem eigenen tellerrand, sprich unmittelbare nachbarschaft, liegt – solange man den leutchen nichts in den vorgarten bauen will.

als ich vor mehr als einem dutzend jahren hier meine neue selbstgewählte heimat fand, war die stadt eben wegen ihrer geschichte so interessant. ganz entfernt konnte man in den wohngebieten rund um stillgelegten eisenwerke und kohlebergbauwerke noch etwas von dem „wir“ gefühl vergangener tage spüren. den stolz auf die gemeinschaft oder das wissen um ein solche. dieser tage wird gerne an den kampf um die erhaltung der stahlindustrie erinnert. etwa damals, auf der heutigen „Brücke der Solidarität“. mag sich die gesellschaft im verlauf der jahre auch den veränderten bedingungen angepasst haben, der kampf um selbstbestimmung allenthalben zu etwas, dass für freiheit gehalten wird geführt haben, wir uns so unabhängig als möglich gemacht haben – und? ist es den preis wert?

strukturwandel / foto: parcelpanic

strukturwandel / foto: parcelpanic

es ist in für die Stadt Duisburg recht risikolos, vermehrters Bürgerengagement zu fordern, wohlwissend mit welcher resonanz zu rechnen sei. Dr. Peter Greulich, „damals“ noch Stadtdirektor bemerkte einmal recht treffend sinngemäss, Duisburg biete nicht das potential zu echtem Bürgerprotest. das war noch vor der Abwahl Sauerlands…  (-;

wer mag sich schon aus dem fenster lehnen, wenn zum einen die vielen besserwisser-aber-selbst-nix-anpacker u.a. in den kommentaren immer die besseren lösungen haben, die sonst aber nirgendwo mal plazieren und der rest mit verwaltungstechnischer finesse versucht wird glatt zubügeln? adhoc könnte man Hüskens KlemmbrettGuerilla oder die BI Wambachsee als unglückliche beispiele nennen. im letzteren fall um so gravierender, wenn sich dem abschein nach ein OB persönlich auf die füsse getreten fühlt, wenn sich solches festbeisst…

neuer plan – neuer weg?

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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