Im Abschied liegt die Geburt der Erinnerung

Am Ende einer provisorischen Gedenkstätte

mehr als zwei jahre war der ort der tragödie des 24.07.2010 an der Karl Lehr Straße eine lebendige stätte und anlaufpunkt für menschen, die sich aus den verschiedensten gründen mit der fläche verbunden fühlten. das wird bald geschichte sein…

Gedenkst_okt_2010

Treppe Oktober 2010 / foto: parcelpanic

mit dem ersten tag war es das schicksal der „vereinnahmten“ fläche, aus der sich die scheidende (provisorische) Gedenkstätte entwickelte, irgendwann einmal weichen zu müssen besiegelt. im kopf derer, die sie werden liessen, die sie erhalten haben, stand ein bild eines ortes der trauer, des mahnens und der begegnung. Angehörige sollten hier ihrer verlorenen gedenken können, Traumatisierte ihren weg zurück finden können und uns alle als eine erinnerung mahnen, so etwas dürfe nie wieder geschehen.

in absehbarer zeit wird das, was bisher diesen platz zu dem machte, was er gewesen sein wird, „zurückgebaut“. noch in diesem jahr soll der erste spaten in den grund getrieben werden, dem anschein nach mit welchen plänen auch immer. was danach kommen wird kann z. zt. niemand verlässlich sagen. kein Kurt Krieger, kein Sören Link, keine BI oder Hinterbliebenen/Betroffenenvertretungen und erst recht keine argumentationsartisten. ein wichtiger wegpunkt ist die heutige Ratssitzung, TOP 18. , die endscheidung darüber bestimmt, wessen Gedenkstätte dort entstehen wird – die des Investoren oder die der Hinterbliebenen und Betroffenen. eine gemeinsame scheint nicht mehr im bereich des möglichen zu rücken.

wenn der ort aus reinem desinteresse nicht erhalten worden wäre und im zuge der neubebauung zugeschüttet worden wäre: traurig. aber immer noch besser, als was die chronik nun im buch der zeit über den weg zu einer würdigen Gedenkstätte stehen hat.

gedenkst_xmas2012

Weihnachten 2012 / foto: BI Gegen das Vergessen

zeugnisse von den niederen verfehlungen, die einer zivilisierten gesellschaft unürdig sind, von eitelkeiten statt zielen und einer empathielosigkeit die für objektivität gehalten wird. mit der so verpufften energie wären noch ganz andere dinge möglich gewesen.

die unschöne phase zur findung eines konsens zur gestaltung einer ständigen Gedenkstätte bringt kaum mehr als die aussicht, es werde dort nun irgendetwas installiert. im worst case wird es ein ort sein, der eher an eine ausgrabungsstätte erinnert und den man wegen seiner architektur besucht. es wäre nur müssig, noch eine erklärung finden zu wollen, wie es dazu kommen konnte.

für mich endet mit dem verschwinden der (provisorischen) Gedenkstätte ein Kapitel. anders als erhofft, weicht sie nicht etwas kommenden, das den verlust erträglicher macht. was muss es erst für die eltern bedeuten, die ihre kinder dort verloren haben?

allen, die sich auf die eine oder andere art für die schaffung und erhaltung dieses ortes stark gemacht haben, gilt mein dank.

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"life is a journey – not a destination"
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