Wieso werden „wir“ nicht satt?

Jahreswechsel – Zeit der Gedanken, Resümees, Vorsätze  – manchmal auch der Hoffnung

noch taumelnd vom erfasst sein der Weihnachtsfeiertage lässt die zentrifugalkraft der gefühle nur ein wenig luft und den anschein, ein wenig zur ruhe zu kommen…

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born to fly / foto: parcelpanic

kaum im glauben atem schöpfen zu können, wird man schon wieder erfasst von einer welle der emotionen – u.a. in erwartung des kommenden jahres – und dem vergangenen. also ein blick zurück? eher nicht…

zählt man, wie die sonnenuhr, die heiteren stunden nur – eine kurzgeschichte. für nachhaltig kurzweiligeres zum adäquaten zeitvertreib muss man schon auf echte begebenheiten zurück greifen? äähhhm, scusi? [***moderiert – zensiert – weggebügelt***]

kurz nach vor-gedacht: nö, … hier besser nicht. wer nicht nur zufällig mit irgendwem im dunstkreis liiert, verwandt, beruflich verbunden, fremdgesteuert ist (und das noch mit kürzeln wie HH & SS) oder einem anderen gar ungesetzlichen abhängigkeitsverhältnis steht, müsste schon zufällig hier (hier!?! zufällig?) hinein stolpern…

na? … [kunstpause] … eben!smilie_ichseheeuch

die halbe wahrheit / foto: parcelpanic

die halbe wahrheit / foto: parcelpanic

beim versuch den begebenheiten zumindest hinsichtlich ihrer geschichtlichen trächtigkeit  gerecht zu werden, gerät man wieder in gefahr, sich an den vielen kleinen outtakes zu verfusseln. wo also die wertung legen? highpeek? nachhaltigkeit? oder was? ich würde ja gerne etwas sozialkritisches, etwas mit tiefgang und nachhaltigkeit, mit einem sinn und erkennbarem erfolg auswählen.

würde gerne wollen- wollte/hätte/könnte (alternativ: „hätte, hätte, fahrradkette„) – bestenfalls gut gemeint also? man weiss es nicht… warum das nicht funtzen will? ich will es nicht ein fehlen von empathie nennen. nicht das es wieder heisst, es würde auf minderheiten eingeprügelt. besser verdienende (egal woher) und so.  treffender vielleicht sowieso finde ich die bezeichnung gefühls-legastheniker. Sie wissen schon: alles ist gerührt bis geschüttelt und er- sowie angefasst  – und man steht daneben und versteht den ganzen gefühlsdusseleihype nicht…

daher vielleicht die leicht überschäumende freude, ausgelöst im vorliegenden fall z.b. durch einen der wenigen weniger schlechten filme im feuerwerk der unterhaltung über die feiertage:

Quelle: filmnomenon2.blogspot.com

Punch-Drunk Love (USA 2002)

[…] Der aufstrebende Geschäftsmann Barry Egan (Adam Sandler) hat eine kleine Firma im San Fernando Valley und hat durch seine sieben Schwestern eine etwas gestörte Beziehung zu Frauen. In einsamen Stunden sucht er Zuflucht bei einer Telefonsexhotline, wo er aber lieber über Nebensächlichkeiten als über die eigentliche Sache redet. Der vertrauensselige Barry gibt am Telefon freigiebig all seine persönlichen Daten und sogar seine Kreditkartennummer preis, was prompt in einem kruden Erpressungsversuch mündet. […] Quelle: filmstarts.de

den Trailer dazu gibt es u.a. [HIER]

geschäftsmann und tragisch-komische figur im weiteren umfeld, die sich selbst mehr in schwierigkeiten bringt, als vermeindliche widersacher… an irgendwen erinnert mich das… ich würde noch darauf kommen, wenn es wichtig wäre!

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Zitat: Erich Fried / foto: parcelpanic

so kichern nur eine handvoll menschen und den anderen fünf bleibt es im halse stecken, wenn ich so rund schau. auch schön? wir reden da über solche formate, denen es bei dünnerer nachrichtendichte auch nicht zu billig ist, eigene „sensationsenthüllungen“ zu kreieren, die das papier nicht wert wären, müsste man sie auch noch drucken oder Tintenfische melken. da werden aus eher linken gestalten und karikaturen zum thema bei „muttiüberbetüdeln“ plus sauerstoffunterversorgung auch schon mal aus eher sozi-typen böde nazis gebastelt. so a la Propagandaministerium – viel reden, nix sagen, aber schön wiederkäuen. oft genug wiederholt wird vielleicht zumindest gefühlt eine art wahrheit daraus. für die, die ebenso ver(w)irrt sind…

in dem zusammenhang möchte ich eher von ab“schweif“en als driften smiley_n kekssprechen, nur um dem eigenst verkündeten gardemass gerecht zu werden – ändert aber nichts an der tatsache vom thema weg gekommen zu sein?

die zeit zwischen den „feiertagen“ und wie erwähnt besonders der jahreswechsel sind garanten für „feinfühlige“, „tiefgreifende“ oder wie Sie es auch immer nennen wollen-de gedanken.

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Ma´hat ma´ Glück … / foto: parcelpanic

wir wollen uns nicht aufreiben an der definition von tiefsinnig und richtigen das augenmerk auf die vergangenen und kommenden hoffnungen, wünsche, sehnsüchte, usw usf …

auf das was geht, was kommen mag oder kommen sollte. weltfrieden, soziale gerechtigkeit, klassenfreie gesellschaft, freibier für alle – oder was auch immer. manchmal, im schwall und ansturm der gefühle gerät unser eigenes zutun dazu, oft – wenn überhaupt geweckt – schon kurz nach dem hochfest, ein wenig in den hintergrund. versteckt sich scheu, da wir es mal wieder sichteten, wo die bedingungen dazu just günstiger waren. günstiger z.b. als auf einen verspäteten weltuntergang. vielleicht reicht es zu dem 1/52 an jahr rund um die feier Christi Geburt auch einfach nicht nur eine meinung zu haben. und die schlechtestenfalls auch noch nur für sich zu behalten. … wenn überhaupt?

eigentlich kann man sich seine passende meinung (notfalls auch typgerecht) aus einem haufen vorgefertigten meinungsschema rauspicken. ich muss in dem fall ja auch noch nicht mal die kriterien erfüllen. der wille zählt. wer die „Rocky“-filme gesehen hat, weiss um den kampf des underdog und des „Eye Of The Tiger“. wenn man es richtig verdreht, könnte man sowas in der art auch dem BundesJoachim vorgauckeln lassen… könnte man annehmen – oder so.

ich bediene mich mal den weisen worten eines mannes, den ich mit Dr. Bob Moorehead benennen würde, auch wenn es da unterschiedliche ansichten gibt, die damit quasi dem zitat an sich schon wieder recht geben:

[…] Das Paradox unserer Zeit ist: wir haben hohe Gebäude, aber eine niedrige Toleranz, breite Autobahnen, aber enge Ansichten. Wir verbrauchen mehr, aber haben weniger, machen mehr Einkäufe, aber haben weniger Freude. Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien, mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit, mehr Ausbildung, aber weniger Vernunft, mehr Kenntnisse, aber weniger Hausverstand, mehr Experten, aber auch mehr Probleme, mehr Medizin, aber weniger Gesundheit.
Wir rauchen zu stark, wir trinken zu viel, wir geben verantwortungslos viel aus; wir lachen zu wenig, fahren zu schnell, regen uns zu schnell auf, gehen zu spät schlafen, stehen zu müde auf; wir lesen zu wenig, sehen zu viel fern, beten zu selten.
Wir haben unseren Besitz vervielfacht, aber unsere Werte reduziert. Wir quatschen zu viel, wir lieben zu selten und wir hassen zu oft.
Wir wissen, wie man seinen Lebensunterhalt verdient, aber nicht mehr, wie man lebt.
Wir haben dem Leben Jahre hinzugefügt, aber nicht den Jahren Leben. Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn. Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns. Wir machen größere Dinge, aber nicht bessere.
Wir haben die Luft gereinigt, aber die Seelen verschmutzt. Wir können Atome spalten, aber nicht unsere Vorurteile.
Wir schreiben mehr, aber wissen weniger, wir planen mehr, aber erreichen weniger. Wir haben gelernt schnell zu sein, aber wir können nicht warten. Wir machen neue Computer, die mehr Informationen speichern und eine Unmenge Kopien produzieren, aber wir verkehren weniger miteinander.
Es ist die Zeit des schnellen Essens und der schlechten Verdauung, der großen Männer und der kleinkarierten Seelen, der leichten Profite und der schwierigen Beziehungen.
Es ist die Zeit des größeren Familieneinkommens und der Scheidungen, der schöneren Häuser und des zerstörten Zuhause.
Es ist die Zeit der schnellen Reisen, der Wegwerfwindeln und der Wegwerfmoral, der Beziehungen für eine Nacht und des Übergewichts.
Es ist die Zeit der Pillen, die alles können: sie erregen uns, sie beruhigen uns, sie töten uns.
Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist, etwas im Schaufenster zu haben statt im Laden, wo moderne Technik einen Text wie diesen in Windeseile in die ganze Welt tragen kann, und wo sie die Wahl haben: das Leben ändern – oder den Text löschen.
Vergesst nicht, mehr Zeit denen zu schenken, die Ihr liebt, weil sie nicht immer mit Euch sein werden. Sagt ein gutes Wort denen, die Euch jetzt voll Begeisterung von unten her anschauen, weil diese kleinen Geschöpfe bald erwachsen werden und nicht mehr bei Euch sein werden. Schenkt dem Menschen neben Euch eine heiße Umarmung, denn sie ist der einzige Schatz, der von Eurem Herzen kommt und Euch nichts kostet. Sagt dem geliebten Menschen: „Ich liebe Dich“ und meint es auch so. Ein Kuss und eine Umarmung, die von Herzen kommen, können alles Böse wiedergutmachen. Geht Hand in Hand und schätzt die Augenblicke, wo Ihr zusammen seid, denn eines Tages wird dieser Mensch nicht mehr neben Euch sein.
Findet Zeit Euch zu lieben, findet Zeit miteinander zu sprechen, findet Zeit, alles was Ihr zu sagen habt miteinander zu teilen, – denn das Leben wird nicht gemessen an der Anzahl der Atemzüge, sondern an der Anzahl der Augenblicke, die uns des Atems berauben. […]

als verfasser dieses textes finden sich verschiedene quellenangaben, die geläufigsten:

eigentlich auch wumpe, von wem es stammt. „the message is in the words“

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early morning light / foto: parcelpanic

nur der vollständigkeithalber schliesse ich mich denen an, die Dr. Bob Moorehead benennen würden…

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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4 Antworten zu Wieso werden „wir“ nicht satt?

  1. Simone Semmel schreibt:

    Na, na, na… nu wollen wir aber nicht wie bei den Kältebussen jedes Jahr in Ergänzung zu den Minustemperaturen erneut falsche Telefonnummern durchs Netz schwappen…

    Auf seiner HP hatte Carlin neben wüsten Publikumsbeschimpfungen explizit eine Erklärung dazu abgegeben. Der Text ist nicht von ihm. Schlimmer: Er hat ihn auch nicht auf der Beerdigung seiner Frau vorgelesen.
    http://www.georgecarlin.com wird leider umgebaut.

    Ein Statement unter dem Betreff Don’t blame me:

    „PARADOX OF OUR TIME“
    One of the more embarrassing items making the internet/e-mail rounds is a sappy load of shit called „The Paradox of Our Time.“ The main problem I have with it is that as true as some of the expressed sentiments may be, who really gives a shit? Certainly not me.

    I figured out years ago that the human species is totally fucked and has been for a long time. I also know that the sick, media-consumer culture in America continues to make this so-called problem worse. But the trick, folks, is not to give a fuck. Like me. I really don’t care. I stopped worrying about all this temporal bullshit a long time ago. It’s meaningless. (See the preface of „Braindroppings.“)

    Another problem I have with „Paradox“ is that the ideas are all expressed in a sort of pseudo-spiritual, New-Age-y, „Gee-whiz-can’t-we-do-better-than-this“ tone of voice. It’s not only bad prose and poetry, it’s weak philosophy. I hope I never sound like that.

    LG Simone

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