Bitte weitergehen, es gibt nichts zu sehen!

Gaffer bitte nach vorne durchlassen, Danke!

man kann sich bei mancher gelegenheit schon ein wenig wundern, wie ernst sicherheit wirklich genommen wird, wenn es nicht just darum geht, irgend ein gläserner-bürger-rechtsbeugungs-gesetz unters volk zu bringen.

shine on you crazy diamond / foto: parcelpanic

„innere sicherheit“ ist so ein schlagwort, bei dem man tatsächlich manchmal die faust in der tasche macht. am besten noch in der eigenen. diese art der sicherheit sagt nicht, sie wäre eine art urvertrauen, die uns im besten fall (oder eben auch nicht?) von liebenden und sorgenden eltern mit auf den weg gegeben werden. so wie ein basiswissen an umgangsformen etwa, wenigstens sollte es angeboten worden sein. man muss ja nicht alles auch übernehmen…

aber wir lassen uns wieder von banalitäten ablenken. heute hat mir eine mail mal wieder schwere verspannungen und nackenschmerzen bereitet. kennen Sie vermutlich, kommt vom kopfschütteln. es muss Ihnen schon aufgefallen sein, ich sei so ein nörgel- und besserwissertyp. und ich hätte auch immer an irgendwas etwas auszusetzen – stimmt! aber anders sind dingen, die eigentlich „besser“ laufen sollten und könnten auch oft nicht beizukommen. man muss immer erst laut werden, sonst hört keiner zu?

zur vorgeschichte:

manche dinge realisiert man erst, wenn alles zu spät ist. es geht nicht um begangene „heldentaten“ wenn es nur ein reflex war. es geht auch nicht darum die geschichte wegen dem eigenen zutun zu erzählen. mal ganz sarkastisch und für dünnbesaitete seelchen besser nicht gelesen: von den bildern, wenn was passiert wäre, hätte ich „mehr“ gehabt? was auch immer?

Komm, wir gehen Lichter fangen… / foto: parcelpanic

die kurze variante: bahn hält, ich steig aus, ältere dame hastet zur bahn, wenig später erschreckter schrei. dünnes ältere-dame-ärmchen steckt in der geschlossenen tür zwischen den gummilippen, kommt nicht frei. auge erfasst türknopf – unbeleuchtet = nicht mehr in funktion, öffnet tür nicht. synapsen klapsen, ein schlag auf die mittelpfalz einer der falttüren, … und dann der augenblick, zu dem mir zwar die erinnerung sagt, die bahn sei angeruckt und durch das türöffnen wieder gestoppt, also nur wenige zentimeter gerollt, ich aber keinen eid drauf schwören würde. ich hab mich von nebensächlichkeiten ablenken lassen…

der rest ging schnell. ältere dame steigt während die zweite tür auch öffnet, beide türen schliessen, ein und die bahn fährt an.  und man steht da etwas bedeppert und fragt sich, ob man das just erlebt hat. aber – und hier kommen wir wieder zur „Inneren Sicherheit“ – StadtBahnStationen werden ja video überwacht. also den vermeindlichen verkehrsbetreiber kontaktiert:

[…] Sehr geehrte Damen & Herren,
schockiert über einen Beinahunfall möchte ich Sie bitten die Aufnahmen
vom 21.08.2012 – ca. 11:42 Uhr – Linie U79 – FR Düsseldorf –
Haltestelle Steinsche Gasse zu sichten.
Beim zusteigen geriet eine ältere Dame mit dem Unterarm zwischen die
schliessenden Türen. Da sich die Türkontakte nicht mehr betätigen
liessen, musste die Tür von aussen „notgeöffnet“ werden. Meiner
Erinnerung rollte die Bahn bereits an, so daß die Person vermutlich
mitgeschliffen worden wäre. Den Vorfall hat der Fahrer der Tram
vermutlich nicht einmal wahrgenommen.
Mit freundlichen Grüssen, […]

es hat nur sechs kalendertage für eine (erste) antwort gebraucht.

[…] In Ihrer Zuschrift beanstanden Sie das Verhalten eines Angestellten
eines unserer Verkehrsunternehmen. Wir möchten darauf hinweisen, dass
der VRR auf ein eventuell vorliegendes Fehlverhalten keinen Einfluss
nehmen kann, da das Personal nicht dem VRR untersteht, sondern in den
Organisationsbereich des jeweiligen Verkehrsunternehmens fällt. […]

durch-zug / foto: parcelpanic

sehen Sie? ich drücke mich ganz einfach zu unglücklich aus. wenn ich dem fahrer einen reinwürgen will, mach ich das zukünftig also lieber gleich? nicht, dass es mir darum ginge, ich versteh es nur so / will das so verstehen. und die sprüche: „ja, nee, ist nicht unser personal…“ kenn ich irgendwoher. klingt ein bischen nach „andere baustelle“ und „blablabla“ – aber, nach sechs tagen weiss man wohl, was mit der mail zu machen ist:

[…] Aus diesem Grund haben wir Ihre E-Mail mit der Bitte um Bearbeitung
weitergeleitet an die nachfolgend aufgeführte Kontaktadresse: […]

na klasse… also nichts wie schnell mal eine mail an den anderen vermeindlichen betreiber hinterhergejagt, um wenigstens den vorwurf mit dem fahrer zu mildern:

[…] Sehr geehrte Damen und Herren,

angehänge Email müßte Ihnen seitens des VRR weitergeleitet worden sein. Hierzu möchte ich folgendes klarstellen:

Es ging nicht darum, einem Angestellten Ihres Unternehmens ein Fehlverhalten vorzuwerfen. Vielmehr ging es darum einen Sicherheitsmängel aufzeigen zu wollen.

Das der VRR volle sechs Tage benötigt um eine Mail dem entsprechenden Unternehmen zuzuordnen finde ich deutlich bedenklicher.

Mit freundlichem Gruß, […]

Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brücke / foto: parcelpanic

was soll ich sagen? sechs tage ist noch zu toppen? so isses. wenn Sie dies (tatsächlich bis hier) lesen, sind 14 tage ins land gegangen und wenn die antwort also „schon“ gestern kam und die andere kasperbude schon sechs tage davon ins land hat ziehen lassen… na? (14-1-6= ?)

nein, nein, nein, wir haben den zenit nicht erreicht. wir reden über die servicewüste Deutschland. überhaupt schon eine antwort, abgesehen von der automatischen „wir haben ihre mail erhalten, blablabla“-responsemail, zu bekommen ist schon ein stück weit revolutionär. dann noch erklärt zu bekommen

[…] Die Türen an unseren Bahnen, mit Ausnahme der Fahrertür an den älteren Fahrzeugen, schließen voll automatisch. Eine Weile, nachdem die Lichtschranke nicht mehr durchbrochen wurde, laufen die Türen wie bei einem Fahrstuhl zu. Druckluftsensoren in den Türgummis verhindern dabei das Einklemmen eines Gegenstandes oder einer Person. Die Tür läuft bei einem gewissen Gegendruck einfach wieder auf. In den Unterlagen der Werkstatt war kein Schaden an dem betreffenden Zug zu entnehmen. Es bestand also durchaus keinerlei Gefahr für die Fahrgäste. […]

kurz vor nach / foto: parcelpanic

dann hat die frau also nur simuliert? find ich ein starkes stück, schauspielrisch zumindest! nun ist es mir ja fast peinlich, überhaupt die dreistheit besessen zu haben… wenn ich das alles so negativ sehe, sollten mich verkehrsverbünde(te) von der beförderung ausschliessen dürfen. obwohl ich sie eigentlich gerne nutze. wer morgens in die stadt will und abends wieder raus und am verkehrsgünstigsten die A59 nutzen müsste, hat eine ahnung was gemeint ist. vom HBF bis ins grösste Dorf Duisburgs (Meiderich) benötigt die StadtBahn etwa sieben minuten. nachmittags mit dem auto kann man sich schon mal für die paar kilometer 40 min über die autobahn stauen… und es beruhigt, wenn sie den zug dabei nicht beschädigt hat, laut werkstattbuch. da muss man ja froh sein, wenn Kurt Felix nicht um die ecke kommt? aber wir wollen nicht kleinlich sein, sicher hat man das band gesichtet? dazu schreibt man:

[…] Sie sprechen die Kameraüberwachung an der Haltestelle „Steinsche Gasse“ an. Diese gehören zu den Betriebsanlagen der DVG und wir bitten Sie daher sich mit den Kollegen aus Duisburg in Verbindung zu setzen. […]

watt?

ich weiss, ich bin kleinlich. es ist natürlich meine pflicht aufzuklären, was da passiert ist. sonst interessiert es ja keinen? … ich bin kleinlich genug das herausfinden zu wollen.

[…] Sehr geehrte Damen und Herren,

in der letzten gesendeten Mail war der Korrespondenzverlauf mit der VRR vermerkt, ich hänge ihn gerne erneut an. Die VRR hat mich an Sie verwiesen, gern geschehen.

Wenn Sie mir nun schreiben, ich möge mich doch selbst erneut an dieses Unternehmen wenden, um der Frage nachzugehen, OB die Bahn trotz geschlossener Tür (und trotz anderslautendem Wartungsbuch) doch anfuhr… Ich denke, die Presse sollte entscheiden, wie wichtig wem wessen Sicherheit sein sollte und wer der Frage nachgehen sollte, warum etwas passiert, was wohl technisch nicht möglich sein kann.

Nächstes Mal schaue ich einfach wie die anderen Passanten weg und mache hinterher meine Bilder.

Mit trotzdem freundlichen Grüßen […]

in dem sinne: Gute Fahrt!

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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4 Antworten zu Bitte weitergehen, es gibt nichts zu sehen!

  1. NoName schreibt:

    Hallo, ich habe heute Ihren Bericht gelesen, nachdem dieser bei „DerWesten“ in den Kommentaren verlinkt wurde. Verwundert und Erschrocken nehme ich das Verhalten des VRR und des Verkehrsunternehmen zu buche. Ich selbst bin U-Bahn Fahrer in Dortmund. Wir hatten 2005 ein tragischen tödlichen Unfall genau wegen diesen Druckwellen. Noch Tragischer ist die Tatsache, das neue Bahnen bereits bestellt waren und die alten Bahnen komplett ersetzt werden sollten. Die alten N8C Bahnen sind wie die (noch) eingesetzten B80C aus den 70gern. Damals waren die Druckwellen leider noch nicht so gut wie in den neueren Bahnen. Die neue Technik kann man leider auch nicht nachrüsten.

    Die N8C wurden nach diesem Unfall nochmal umgerüstet und mit einen Warnton versehn. Leider ist es so, dass Fahrgäste immer noch in eine Schließende Tür greifen (was schon sehr Fahrlässig ist). In der Regel greift dann die Druckwelle. Aber grade bei älteren Leuten oder Kindern sind die Arme leider nicht so ausgeprägt und die Druckwelle springt nicht an. Die Türen sind nicht defekt und zugelassen.

    Ein Austausch alter Bahnen im VRR ist geplant, doch leider fehlt den Unternehmen das Geld (das wird grade versucht vom Bund zu bekommen). Grade wir Fahrer hoffen, dass der Bund schnell Geld zur Verfügung und die Bahnen ausgetauscht werden. Wir in Dortmund sind jedenfalls verpflichtet vor der Abfahrt immer in den Spiegel zu sehn (was in Kurven nicht immer gut geht) und tuen unser möglichstes um solche Situationen zu vermeiden. Ich weise trotzdem nochmal darauf hin, dass es nicht grade schlau ist in Schließende Türen zu greifen.

    Danke für den Bericht ich werde den mal an meine Kollegen weiter Leiten.

    • parcelpanic schreibt:

      hallo,

      danke für den kommentar.

      Aber grade bei älteren Leuten oder Kindern sind die Arme leider nicht so ausgeprägt und die Druckwelle springt nicht an.

      in diese richtung ging meine vermutung: seinen anforderungen gemäss arbeitet die sicherheitseinrichtung einwandfrei. ein mass X, bei dem auszulösen ist, festgelegt nach sicherheitskriterien der 70. wenn das ausserhalb-der-norm-ärmchen dann noch „hochkant“ gehalten wird, verringert sich die breiteste stelle weiter, was leider nicht dem idealfall entspricht… genauso wie man idealerweise nicht im letzten moment noch versucht durch eine sich schliessende tür zu kommen?

      ich würde gerne noch einmal klar stellen: mein vorwurf geht klar gegen das unternehmen wen-auch-immer, nicht den lenker der stadtbahn. wie vermutet beschreibt der bahnsteig einen leichten radius. zudem sich die szene in einem tunnel abspielte, wo bis auf wenige funktionen der fahrer keinen einfluss auf die „fernsteuerung“ der bahn hat, darf man den derzeitigen berichten um die U79 und die „steuerung“ glauben.

      man könnte glauben es sei zwar keiner „zuständig“ und streitet den vorfall trotz ab, um vom video, welches meiner vermutung nach nicht gesichert wurde und mittlerweile im üblichen prozedere gelöscht sein dürfte, garnicht reden zu müssen…

      Ihnen weiterhin gute fahrt!

      p.s.: ich nutze seit jahren auch den ÖPNV und kann klare vorteile sehen, wenn der mich in sieben minuten vom der city in meinen stadtteil bringt, während ich mit dem auto nachts mindestens schon zehn benötige – plus parkplatzsuche. in der rushhour wären 30 minuten ohne ernsteren stau eine gute zeit. ich kann für weniger als den spritverbrauch und evtl. parkgebühren einer woche mit dem monatsticket nicht nur zur arbeit kommen, sondern nach 19 uhr und am wochenende/feiertag sogar (plus einer weiteren person) mit dem ticket quasi mit der „flat“ auch bis Dortmund und so auch Ihre strecke „erfahren“… ohne auf der A2 angestanden zu haben!

  2. Daphne schreibt:

    Ähmmm… Kurt Felix is tot….

    • parcelpanic schreibt:

      das mindert die gefahr, dass der irgendwo mit der „versteckten“ kamera lauert…
      wenn man sich auf manchen sendern ansieht, was aus der idee geworden ist – aua

      (-;

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