Im Taumel der Gefühle

des einen freud, ist des anderen leid. sagt ein sprichwort und zeigte sich bei der kleinen einführungsfeier im innenhof des Rathaus am Mittwoch.

Kurt Krieger in Siegerlaune / foto: parcelpanic

neben dem tagesgeschäft Ratssitzung fand im anschluss im Innenhof des Rathaus in Duisburg eine kleiner Umtrunk anlässlich der vereidigung des neuen OB statt. neben dem gefühl, leicht deplaziert zu wirken, dominiert auch die fühlbare unzufriedenheit einiger teile der anwesenden Ratsfrauen und Herren. manche blicke sprachen dabei bände. mein persönlicher favorite war der von kopfschütteln begleitete von Benno Lensdorf, als er Werner Hüsken im gespräch erblickte. danke dafür.

es eine der wenigen gelegenheiten einige der sonst eher weniger präsenteren menschen im geschehen um Loveparade und die zukünftige Gedenkstätte zu treffen. ich war positiv überrascht, wer einem da so alles die hand schüttelt und hatte fast ein wenig hoffnung, einge könnten verstanden haben, dass auch für uns alle mit diesem tag ein neuer weg beginnt. vergessen werden wir wohl nie, aber um wirklich den rest der strecke in ruhe und würde zu begehen, dürfen die alten wunden nicht erneut mutwillig penetriert werden.

Alt-OB Josef Krings / foto: parcelpanic

man darf sich da nichts vormachen: was sich da am Mittwoch abgespielt hat, ist natürlich ein klares erstes zeichen. die anstehenden aufgaben sind alles andere als geeignet, um sich damit freunde zu machen. muss nicht, kann aber. die frage wird sein, wie Sören Link es anstellt, diese klamme, schmuddelige Stadt zu etwas umzubauen, in dem sich die Bürger wieder vertreten sehen und wo sie gerne leben. zum spagat gerät das ganze, wenn gleichzeitig die interessen der kommerzorientierten wirtschaft mit den eben genannten kollidieren. beispiel FOC vs. Zinkhüttensiedlung. oder anrüchige Leuchtturmprojekte mit kostenexplosionen, siehe Landesarchiv oder der unmachbarkeit wie im falle Küppersmühle.

man kann es schon als husarenstück im positiven sinne bezeichnen, wie plötzlich im galopp das zustande kommt, an dem sich über monate hinweg parteien, gruppen, verbände und einzelpersonen schier aufgerieben haben. andererseits wirft es auch deutliche fragen auf. etwa: wenn da eine ist, wo ist die verbindung zur faktisch schon sicheren baugenehmigung der möbelbuden und zu den 20% Randsortiment? wenn Baustellen Kurt sich bisher mit knickerigem gruftdesign auf 70qm schon schwer tat, woher plötzlich der sinneswandel nicht nur gut 660qm (!) zur verfügung stellen zu wollen (etwa die halbe Rampe), sondern auch noch für alles aufkommen zu wollen, wie er gegenüber einem betroffenen geäussert haben soll?

Wildwuchs / foto: parcelpanic

unabhängig davon: Sören Link hat mit amtsantritt selbst schon die messlatte sehr hoch angelegt. diese erste hürde eines military-lauf ist im vergleich zum rest der strecke sicher nicht die kleinste gewesen und sie sich direkt am anfang dergestalt zur brust zu nehmen macht schon eindruck. Sören wird beweisen müssen, ob er weiter seinen weg, der auch unser aller bestimmt, mit dieser marschrichtung bestehen kann. er verdient für seinen mut zu neuem handeln zunächst unterstützung und Respekt.

Sören Link wird aber auch zeigen müssen, ob er tatsächlich der mann ist, der die Stadt auf einen neuen, besseren weg bringen kann, … und will.

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p.s.: es wäre verfrüht, ob des paukenschlags von einem scheinbar glücklichen ende des gezerres um eine würdige Gedenkstätte zusprechen. wenn auch mittelfristig eine lösung gefunden zu sein, im hintergrund brodelt es bereits erneut und dürfte noch vor dem Jahrestag zu einem weiteren affront am ort des geschehens führen. um der person, die mit ihrem vorhaben ein weiteres mal diesen ort und die Angehörigen wie auch Betroffenen mit ihrer handlung demütigen und zu entehren versucht, kein bühne zu bieten, wird auf eine vorabmeldung verzichtet.

von anfragen hierzu bitte ich abzusehen, Danke

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immobilien-zeitung.de:

Eine kalte Platte für den neuen Oberbürgermeister

Von Thorsten Karl
 

Was wird aus Duis­burg? Nach der Stich­wahl am Sonn­tag ist zu­min­dest klar, dass Sören Link (SPD) die kom­men­den sechs Jahre im Rat­haus den Chef­ses­sel be­setzt. Die Frage, was aus Duis­burg wird, ist damit je­doch noch lange nicht be­ant­wor­tet.

Denn der neue Oberbürgermeister wird Chef einer Stadt, in der es mehr offene Fragen gibt, als man in sechs Amtsjahren wird beantworten können. […]

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MEINUNG

zu „Eine kalte Platte …“

Die Führungslosigkeit in Duisburg hat ein Ende. Nach anderthalb Legislaturperioden unter dem Christdemokraten Adolf Sauerland ist die Stahlkocher-Stadt an Rhein und Ruhr wieder unter die wärmenden Fittiche der SPD gekrochen. […]

[…] Doch ist so etwas in Duisburg nicht ganz einfach. Die Stadt hat, wie fast alle Ruhrgebietsgemeinden, immense Schulden. Um überhaupt noch bewegungsfähig zu sein, gründete die Stadt in den vergangenen Jahren eine scheinbar endlose Zahl von Tochtergesellschaften, die sich dann – irgendwie am städtischen Etat vorbei – für weitere Projekte verschulden konnten. All diese Töchter haben hochdotierte Geschäftsführer, die teilweise mehr Gehalt beziehen, als es der OB tut. […]

alles lesen..

 

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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2 Antworten zu Im Taumel der Gefühle

  1. Lothar Evers schreibt:

    Der neue Stil, den Sören Link geprägt hat, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber im Duisburger Getümmel immer mal wieder in Vergessenheit zu geraten droht. POlitik und Verwaltung sind dazu da, Interessen zu erkennen,zwischen sich ausschliessenden Interessen zu vermitteln und wenn nötig für den Rat klare Alternativen zwecks demokratischer Entscheidung heraus zu arbeiten.

    In grauer Vorzeit, gehörte ich mal zu einem Team um den Kölner Psychiater Andreas Harder, dass sich auf die Eröffnung der psychiatrischen Abteilung des Bertha Krankenhauses vorbereitete. Bis wir uns am damaligen Souialdezernenten Fichtner und Kämmerer Klein die Zähne ausbissen und mit Getöse das Handtuch fallen liessen.

    In einigen Konstellationen ist deshalb die erneute Beschäftigung mit Duisburger Kommunalpolitik nach der Loveparade wie ein deja vu. Adolf Sauerland ist mit überwältigender Mehrheit gewählt worden, weil in der Krings Nachfolge unter dem Duo Zieling / Brand ein System des Postenversorgens zu beobachten war, das für die damals noch zahlreicher zur Wahl gehenden Duisburger unerträglich war. Deshalb haben sie „einen von uns“ den recht einfachen Adolf Sauerland auf den Schild gehoben.

    Der war auch überfordert, machte mit dem Pöstchenversorgen weiter und holte sich mit Raabe und Dr. Greulich die Personen an Bord, die unter grün/schwarz das „System Duisburg“ adaptierten und fortführten. Adolf Sauerland hat eben nicht im Alleingang, die Loveparade durchgezogen und anschliessend das unsägliche und unsäglich teure Jasper Gutachten kreiert. Da waren andere Kreative am Werk, deren Ideen A.S. -überfordert wie immer sich zu eigen gemacht und exekutiert hat.

    Sprich:
    ‚man darf die Person an der Spitze -bei allen Unterschieden- nicht überschätzen. Es geht um Mannschaften, Seilschaften und Strukturen. Ich bin davon überzeugt, dass Herr Krieger, wenn er rechtzeitig gewusst hätte, die Integration des Ortes der Loveparade Katstrophe ist politisch gewollt, diese umgesetzt hätte. Dieses Signal hat er aber vorher nicht bekommen. das gleiche gilt für das Nebensortiment. So ist er wie einige Investoren auch von den zuständigen in der Verwaltung mit einer „carte blanche“ ausgestattet gewesen: binde die betroffenen der Loveparade ein, aber auf deren Seite werden wir uns nicht zu vehement positionieren.
    Eine Zentrale Person dabei ist Dr. Greulich. Der übernimmt früh kommisarisch das Baudezernat und verhindert seitdem Fachlichkeit. zugunsten von Investoreninteressen. Mit der Abwahl von Sauerland wird er als Chef der Verwaltung noch machtvoller und will das Werk Duisburger Freiheit mit der Sondersitzung des Rates vom vergangenen Mittwoch abschliessen. Noch am Dienstag der letzten Woche hören wir im Gespräch mit ihm die Bekannten Worte „Geht nicht, machen wir nicht,“

    Aber:
    jetzt entscheidet Greulich nicht mehr alleine. Kommt also wegen der sich verändernden Machtkonstellation mit dieser nur zu bekannten Haltung nicht durch. Insofern ist es das Ende der umfassenden Macht von Dr. Greulich, der diesen Erfolg möglich macht. Ohne die Wahl von Sören Link wäre das nicht geschehen. Trotzdem: das in die Reihe zurück treten war der entscheidende Erfolgsfaktor.

    • Holger Knörr schreibt:

      Bezüglich der Figuren auf dem Schachbrett alles nachvollziebar und könnte alles auch so gewesen sein. Dr. Greulich kümmert sich ja auch schon etwas länger um eine neue berufliche Verortung…
      Bezgl. der Nebensortimente hat natürlich der Investor Kurt Krieger seine Gunst der Stunde genutzt. 20% Nebensortimente ist gemessen an der Gesamtfläche schon gewaltig. Und richtigerweise war vorher immer nur von 10% die Rede, wie die Ratsstimmen, insbesondere der CDU, das rezitiert haben. 20% war die Preisforderung von Kurt Krieger, denn das erleichtert ihm die Refinanzierung seines Investments erheblich und bedeutet auch gleichzeitig einen deutlichen Wettbewerbsvorteil im hart umkämpften Möbelmarkt vor Ort. Da werden sicherlich noch seitens der Wettbewerber Klagen auf Gleichstellung zu erwarten sein…
      Für die SPD war es wichtig, die mit der Tragödie in Verbindung stehenden Menschen auf ihre Seite zu bringen. Rund 130.000 Stimmen bei der Abwahl – dieser für Duisburger Verhältnisse gewaltige Druck aus der Bevölkerung richtete sich ja nicht in erster Linie gegen eine Partei, sondern war Ausdruck der Empörung über ein moralisch verwerfliches Verhalten Verantwortlicher. Ganz ähnlich, wie 25 Jahre zuvor eine gleiche Empörung sich gegen das Unternehmertum eines Gerhard Cromme richtete.
      Diese Wertevorstellungen einen den „Duisburger“ – auch über Generationen hinweg.- und determinieren jene Mentalität aus Zeiten des Zusammenhalts.
      Die SPD hat ihre Ohren an der Basis, und was sie in diesen finanziell äußerst brisanten Situation überhaupt nicht gebrauchen kann, sind stetige Unruhen in der Bevölkerung. Was aus Empörung werden kann, ist ja nun auch politisch seit dem 12.02.2012 amtlich.
      Keine Partei im Rat der Stadt Duisburg hat und hatte ein Problem mit einer wie auch immer gestalteten Gedenkstätte. Auf das Gelände selbst hatte die Stadt niemals Einfluß, denn es gehörte ihr ja nicht. Das war immer Entscheidung des Investors.
      Die Bedeutung der Stimmungslage in der Duisburger Bevölkerung scheint (so hoffe ich zumindest) die SPD erkannt zu haben. Sie wird sicherlich eine Reihe unpopulärer Entscheidungen im Zusammenhang der Sparbemühungen treffen müssen (ein Beispiel dafür ist der Rückbau – schöneres Wort für Abriß – des Stadtwerketurms).
      Sören Link repräsentiert die Strategie der SPD in Duisburg. Die Stimme des Bürgers wird zumindest wieder anders wahrgenommen seit dem 12.02.2012.
      Was mich ein wenig betroffen macht: in den ganzen Überlegungen, wie ein solcher Beschluß zustandegekommen ist, taucht nirgendwo der Begriff „Pietät“ auf. In dieser Richtung habe ich auch keinen Wortbeitrag in der Ratssitzung am 04.07.2012 vernommen. Ob die Verantwortlichen der Stadt wirklich verstanden haben, welche Bedeutung eine solche Tragödie für eine Stadt hat und welche Handlungsmaxime daraus abzuleiten ist?
      Als Bürger dieser Stadt wünsche ich mir, daß diese Stadt irgendwann in möglichst baldiger Ferne zu einer gewissen Normalität zurückfindet. Sie ist lange genug von egozentrischen und eitelkeitsgeplagten Loosern verantwortet worden!
      Einen Neuanfang sehe ich im unterschiedlichen Aussehen und Auftreten von Dr. Greulich und Sören Link, und ich bin als parteiloser Bürger nicht böse, wenn ein Herr Dr. Greulich sich beruflich neuorientiert…
      Die Politik in Duisburg braucht wieder eine starke Bürgerschaft außerhalb der Parteien zur Orientierung. Diese Stimme muß wieder Maxime des Handelns demokratisch Gewählter werden. Der Bürger ist der Auftraggeber und Kontrollorgan des politisch Handelnden und nicht einfacher Empfänger (schlechter) Nachrichten!

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