geiz ist geil ≈ die spitze vom eisberg

huch, es wäre fast an mir vorbei gegangen…

eines dieser dinge, die man sich nur schlecht verzeiht. in dem fall besonders, weil man sich zu dem thema schon dauerbisswunden an den fingern zugezogen hat. selbst solche oder andere missstände anzuprangern, solange man noch direkt oder indirekt dort beschäftigt ist, immer eine heikle sache.

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DerWesten:

Knochenharter Job für einen Hungerlohn

20.04.2012 | 21:23 Uhr
Knochenharter Job für einen Hungerlohn

Im Westen.  Früher fuhr Paketdienst DPD 1,4 Millionen Pakete im Jahr aus – heute sind es zwei Millionen. Am Tag.

Mit Hungerlöhnen für knochenharte Arbeit werden Tausende Kurierfahrer in Deutschland abgespeist. Viele müssen täglich bis zu zwölf Stunden Pakete sortieren, packen und ausliefern – und bekommen dafür nur Löhne um die fünf Euro pro Stunde. Brutto. Lesen Sie, wie es Fahrern ergeht, die für Subunternehmer des Kurierdienstes DPD im Ruhrgebiet unterwegs sind. Die Namen der Fahrer sind zu deren Schutz geändert. […]

[…] Seit immer mehr Menschen im Internet bei Amazon, Zalando & Co. einkaufen, ist der Transport von Päckchen an Endverbraucher explodiert. Im Gründungsjahr 1974 fuhr DPD pro Jahr 1,4 Millionen Pakete aus. 1980 waren es sieben Millionen. „Heute transportieren wir zwei Millionen Pakete täglich“, protzt der Branchenriese, der EU-weit im vorigen Jahr 3,6 Milliarden Euro umsetzte. Früher boomte der Sektor vor allem vor den Festtagen. Heute gibt es kaum noch Zeiten, an denen die Autos nicht voll sind. „Heute ist es jeden Tag wie Weihnachten“, sagt Florian Meier, und für ihn ist das der blanke Horror. […]

[…] 243 Pakete hat er heute auszuliefern, 120 Stopps weist sein Tourenzettel aus. Wenn es gut läuft, gehört ein Unternehmen wie Saturn oder Mediamarkt zu den Zielen. Da wird Meier auf einen Schlag mehrere Pakete los, und er weiß auch genau: Dort ist jemand da, der die Pakete abnimmt. Wenn es schlecht läuft, sind viele Privat-Adressen auf seiner Tour. Dann heißt es: Hoffen, dass jemand zu Hause ist. Dass dieser Jemand schon hinter der Tür bereit steht, um das Paket anzunehmen. Oder dass ein Nachbar das macht. Und dass er nicht die bis zu 31 Kilo schweren Pakete in einem Mietshaus bis in die oberste Etage schleppen muss, wie letztens den Satz Autoreifen. […]

alles lesen…

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sooooo, … die wirklich wichtigen dinge zuerst:

DPD wurde übrigens erst 1976 gegründet...

und fast wichtiger: nein, mir vertraut man kein auto und pakete an, dafür muss ich für deutlich mehr als das doppelte pro stunde im lager, sagen wir mal, „dienlich sein“. während andere sich mit dem entleeren und befüllen von fahrzeugen beschäftigen, ist meine tätigkeit so geheim, ich weiss manchmal selbst nicht, was ich tue

ich kann die geneigten leser beruhigen. im o.g. artikel wird nicht von Duisburg berichtet. auch das abgebildete fahrzeug stammt definitiv nicht aus dem einzugsbereich, in dem sich um die 200 zustellfahrzeuge dieses wettbewerbers im paketbusiness für unser einzugsgebiet bewegen. es ist auch nicht so schwer zu erraten, über welches Depot des GlobalPlayers da berichtet wird…

die meisten der berichteten miss- oder umstände sind nicht weit von der realität entfernt, je nach mitbewerber und lage. und dabei wird in dem bericht auch nur die spitze des eisberges angekratzt. wer sich das firmenkonstrukt der einzelnen anbieter einmal näher betrachtet, stösst auf eine anzahl weiterer ungereimtheiten. die wenigsten dinge gelangen überhaupt bis ans medienohr und nur einbruchteil davon geht auch in druck. ich selbst habe, solange ich meine brötchen dort noch zu halbwegs verträglichen konditionen verdienen kann, auch noch kein gesteigertes interesse. sonst hätte ich ähnlichen pressezulauf wie „uns Dirk“ bei der abwahl  😉

auch in den diversen Depots/Niederlassungen gibt es unterschiede. während der eine subunternehmer kaum weiss, wo er den kraftstoff für die nächsten touren hernehmen soll, fahren andere in grossen SUV vor um nach ihrer mannschaft zu sehen. auch hier nur die spitze, nicht mal ordentlich angeschabt…

man darf allerdings auch die frage nicht ausser aucht lassen, ob der verbraucher nicht auch ein stück weit sein päckchen dabei trägt. stichwort: „geiz ist geil.“  nur lassen sich hochwertige produkte bei guten stundenlöhnen nicht für einen appel und nen eI verscheuern. was der verbraucher aber will. diese produkte kommen dann i.d.r. aus ländern mit noch schlechteren arbeitsbedingungen. der aufdruck „Kinderspielzeug“ bedeutet bei China-Toys wohl eher, dass ein kind mit der herstellung beschäftigt war. und der gute fussballschuh nicht wegen der schusterfertigkeit eines handwerkers so teuer ist. gut und teuer? fällt mir der letzte F1 lauf zu ein…  wo wir wider beim abdriften sind

der gärtner war`s! / foto: parcelpanic

sicher ist es keine branche ohne schwarze schafe. aber wen soll das stören, wenn selbst der neue „Bundestag“ mit unterstützung von schwarzarbeit hochgezogen wurde und die drecksschleudern in unserer gegend weiter hühner penetrieren? die branche könnte vermutlich ohne dieses konstrukt an abwälzung unternehmerischen risikos auf den-letzten-beissen-die-hunde garnicht überleben. aber wir sind auch nicht frankreich…

Hans irgendwas und sein kollege Florian sonstwas dürften eh mit ihrem Eingeborenenstatus auf weiter flur alleine stehen. zumindest wenn in diesem teil der republik der paketmann vom angesprochenen branchenriesen klingelt, hat der meist nicht meine nationalität… oder die, die ich angenommen habe. ich will garnicht ausführen, zu welchen missverständnissen das führen kann. lustig ist das nur für den betrachter.

einige wirklich nachhaltig interessierte unternehmen scheinen zur besinnung gekommen zu sein und selbst dem franchising und subunternehmenwahnsinn einhalt zu gebieten. ein grosses lob da an den „braunen riesen“ der branche, zumindest im bezug auf „human resources“. dort ist man schon vor einiger zeit zu „eigenem“ personal zurückgekehrt. die qualität hat es ihnen gedankt.

eine frage drängt sich mir noch auf:

[…] Und dass er nicht die bis zu 31 Kilo schweren Pakete in einem Mietshaus bis in die oberste Etage schleppen muss, wie letztens den Satz Autoreifen. […]

auf zwei reifen übereinander eine glasplatte gibt einen couchtisch. ich gehe aber eher davon aus, der neue besitzer wollte die puschen an sein auto bringen. das hatte der sicher da nicht oben geparkt, so ein reifenwechsel im hausflur ist echt unbequem. aber es gibt auch empfänger, die dumm genug sind erst dann festzustellen, sie müssten die dinger selbst wieder runterbringen… z.b. weil der Paketonkel die nicht aufzieht. (lachen Sie nicht!)

oder um einen wirklich alten witz zu bemühen:

[…] aus dem chaos sprach eine stimme zu mir: „lächele und sei froh, es hätte schlimmer kommen können!“

ich lächelte und war froh… und es kam schlimmer! […]

p.s.: wer mir ein geregeltes einkommen bis zur rente bieten kann erhält übringens exclusivrechte an meinen gesammelten erfahrungen in der branche. ich kann mit erfahrungen von diversen grossversendern, diversen stellungen auch aus der zeitarbeit und werksverträgen oder solchen, die als solche gelten soll(t)en berichten.

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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