Ausflug über den Rhein

es gibt artikel, die mehr bewegen, als die schultern einmal rauf und wieder runter… manchmal geht es auch in die beine.

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DerWesten:

Leeres Hochhaus versinkt

13.04.2012 | 18:05 Uhr

Duisburg-West.   Die leer stehende Hochhaus-Ruine an der Hoccheider Ottostraße versinkt im Müll. Linke-Bezirksvertreter Roland Busche fordert eine nachhaltige Reinigung des Gebietes. […]

[…] Pressesprecherin Margret Fink. „Die Szenerie zeugt von der Untätigkeit der Verwaltung, die offenbar nicht einmal die einfachsten Schutzvorkehrungen trifft, damit sich die Müllhalde nicht weiter ausbreitet. Uns ist es unverständlich, dass 12 000 Euro für Sicherungsmaßnahmen im Haushalt stehen und keinerlei Verbesserung zu sehen ist.“ […]

[…] „Wenn dieses Szenario in der Innenstadt zu besichtigen wäre, dann wäre es längst Stadtgespräch. In Hochfeld hat liegen gebliebener Müll wenigstens zu einem Handlungskonzept geführt“. Als Sofortmaßnahme müsse der Müll endlich so entsorgt werden, dass er nicht auf einem Grundstück landet, von dem die Stadt behaupte, es sei Privatgelände. […]

alles lesen…

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und… ? hat der artikel mehr bewegt als die pupillen? dahinter ging auch noch was? 😉  gut, dort oben bin ich ja relativ resistent. bei mir ging es direkt in die beine/füsse. das geht so:

ich hatte den o.g. artikel gelesen und versucht mich zu erinnern, wann ich dort da letzte mal gewesen bin. 21… 22… 23… ok, also haben wir ein ziel! selbstversuch!

kurz noch zur lage des stadtteils. ähnlich wie die ostzonalen fünf gebiete wurden ortsteile wie Homberg, Hochheide etc erst zwischen WWII und dem jahrtausendwechsel eingemeindet. das spürt man noch heute. hüben wie drüben…

zonenrandgebiet: Duisburg Hochheide / quelle: google/maps
 

über Ruhrort via Hochheide fahrend kommt man von der Homberger Straße auf die Rheinbrücke. kurz vor auffahrt zur brücke kurz hupen um dem lieben Martin Tazl zu huldigen und die SommerSäufer zu mahnen. (*gg*) auf der brücke rechter hand die „Mühlenweide“, gleich wieder vergessen. geniessen Sie unbedingt auch den blick auf das sinnfreie 500.000€ teure gebilde an der linken seite der brücke. eine (gesperrte) treppe auf eine industriebrache. und, nein: es ist keine kunst, kann aber auch nicht „wech“ .

von der brücke, die man durchaus auch mal zu fuss überqueren sollte, geniesst man einen typisch DuisburgerBlick auf gegend und industrie. besonders empfehlenswert, wenn sich die sonne rauf oder runter quält! am ende der Rheinüberquerung biegt man links nach Homberg ab. zum schönsten biergarten geht es übrigens links (Rheinstr) und am ende wieder links (Königstr). auf der rechten seite findet sich ein recht unscheinbarer, aber urgemütlicher biergarten mit Rheinblick. unschätzbarer vorteil: man schaut auf die Mühlenweide aus der ferne und sieht die schönere seite von Duisburg

Ottostraße / foto: parcelpanic

aber wir folgen der Ruhrorter Straße, auf die wir von der brücke abgebogen sind und finden einen gewachsenen stadtteil mit herrlichem hausbestand aus des kaisers zeiten. die hauptsrasse windet sich durch den stadtteil und mündet auf der Moerser Straße, die uns nach links abbiegend zum ziel führt.

an der ecke Moerser Str. / Lauerstr. / Rheinpreußenstr. findet sich eine unsichtbare linie. wählt man den weg richtung Süden, gelangt man in die Rheinpreußensiedlung, einen stadtteil, in dem die zeit stehen gelieben zu sein scheint. 1975 wären die Häuser fast dem abriss anheim gefallen und wurden durch bürgerproteste gerettet. die geschichte wird sich im fall Zinkhüttensiedlung wohl eher nicht wiederholen. wir wenden uns aber via Norden, den giganten, die sich am horizont auftürmen entgegen.

wenn man die kreuzung überquert hat und auf die Ottostraße zugeht scheint sich die zeit ein weiteres mal zu ändern. hier haben die bagger anfang der 1970er die häuser niedergewalzt um die 20stöckigen wohnsilos zu bauen, den „Wohnpark Hochheide“ . spätestens nach dem ersten kleineren häuserblock stösst man auf das erste „leerstehende“ monster, siehe oben. aus einiger entfernung, ohne direkten blick auf die eingänge und das untere stockwerk, erinnert der anblick des betonriesen an eine szene der anfang 50er, irgendwo im osten.

ein katzensprung und 20 jahre sanierungstau / foto: parcelpanic

es herrscht eine gespenstige stille, selbst vögel hört man hier nur sehr vereinzelt. der zuweg zum wohnsilo der vergangenheit wirkt ungepflegt und schreckt eher ab, hier näher hinsehen zu wollen.

die fenster ohne verglasung wirken wie leere augenhöhlen. erst beim näherkommen fällt der blick auf den unrat rund um das gebäude und in den eingangsbereichen auf. die wilde nutzung der „leerstehenden und versiegelten“ häuser, wie die stadt es ausdrückt, erregt den unmut vorallem der anliegenden nachbarn. undefinierbare textilbehänge schirmen den türbereich gegen neugierige blicke ab und rufen nicht eben zum erkunden auf. dahinter stehen fahrräder, sieht man gelegentlich gestalten huschen. das ganze wirkt nicht eben vertrauenswürdig, auch härter gesottene werden hier eher die gruppe für erkundungen vorziehen (memo).

geht man am gebäude entlang, fällt der blick bald auf die bausünde dahinter. saniert und mit farbe aufgehellt wirkt er um nuancen freundlicher. (s.o.)

spot / foto: parcelpanic

der eindruck verstärkt sich, wenn man die wilde müllkippe (sicher nicht allein von den neuen bewohnern geschaffen) hinter sich lässt, in die fläche zwischen den riesen steht. es fallen weitere dieser monstren ins sichtfeld, in den verschiedensten stadien der bewohnbarkeit. insgesamt wirkt die szene ehe gespenstisch mit den riesigen wohnflächen und ohne menschen und kinderlachen. zwischen den einzelnen häusern umherwandernd befällt einen das gefühl in einen auflösungsprozess geraten zu sein. daran können auch die sanierten und aufgehübschten einheiten wenig ändern, in ihrer aufgeräumtheit wirken sie fast schon grotesk.

"WohnPark" / foto: parcelpanic

in gut zwei stunden auf dem areal bin ich höchstens einer handvoll menschen begegnet, zumeist menschen, die mit ihren hunden unerwegs waren. die, mit denen ich ins gespräch kam, wohnten alle auf der anderen seite, teils jahrzehnte. verwunderlicherweise sprachen fühlte sich keiner der anwohner hier unsicher. von den „neuen bewohnern“ ginge keine aggression oder derartiges aus, war zu hören. mein eigenes empfinden sprach eine andere sprache. nachts in Ruhrort oder Hochfeld fühle ich mich „sicherer“ als dort tagsüber…

als kontrastprogramm empfiehlt sich im anschluss ein besuch in der oben bereits erwähnten Rheinpreußensiedlung.

bauKultur / foto: parcelpanic

wie immer hat mich musik auf meinem weg begleitet. besonderen eindruck hat in der kulisse  guano-apes-open-your-eyes (laut & viel bass!) hinterlassen. meine empfehlung zum wochenstart…

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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