Tag der Entscheidung

hallo welt, guten tag Duisburg!

am heutigen Sonntag,  im endspurt der närrischen hochzeit, mitten in der jeckenzone stimmt man heute ab. es ist keine wahl, die entscheidung ist nicht „für“ jemanden. zynisch gesagt kennt die halbe welt dank der weisen entscheidung der verantwortungslosen Duisburg. die heutige abwahl dürfte noch einmal einen ordentlichen stoss presse in die stadt schwemmen. danke dafür!

18 lange monate mussten ins land gehen, bevor jemand für den [noch] ersten Bürger unserer stadt die Verantwortung schultern kann, die sich der träger zu entledigen versucht. der preis dafür ist ein ziemlich hoher, für beide seiten.

der, der sie stets ablehnt und sich selbst lieber als opfer sieht, hat keine chance unbeschadet aus dem Abwahlverfahren zu gehen. die meisten schäden gehen m.E. auf kosten von eigenen „rohrkrepierer“. auch 79.193 unterschriften brutto oder gut 68.000 netto lassen sich nicht ungeschehen machen. sie bleiben im raum stehen, für alle zeit. schon jetzt auf verlorenem posten gibt es keine zukunft für Adolf Sauerland im politischen Duisburg.

seine wirklich allerletzte chance überhaupt noch etwas an glaubwürdigkeit zu waren hat er mit der heutigen absage zum „Hallo Ü-Wagen – spezial“ besiegelt. dabei hätte er dort nur noch gewinnen können, verloren hat er schon… das nennt man wohl politisch unklug.

die, die jene Verantwortung symbolisch schultern geben damit aber auch ihr versprechen für eine rückhaltlose aufklärung zu sorgen. es wird nicht unbedingt leichter, wenn die übrigen herschaften weiter versuchen ihre westen möglichst weiss zu halten. keiner derer, die ihren tel der Verantwortung ebenfalls ablehnen und über diese lange zeit nichts dazu beigetragen haben für licht im dunkeln zu sorgen werden kaum von sich aus die fehlenden puzzleteile beisteuern. aber sie wissen um die macht ihres gegners.

mag die möglichkeit aus den reihen des volkes ein solches enthebungsverfahren vorantreiben zu können im Juni 2010 noch für undenkbar gehalten worden sein, sie ist realität. ihr kann es mit auf den weg gegeben sein, auch den rest des Systems zu hinterfragen, der schlüssel zu einer anderen, gerechteren politik zu sein.

gerechter? was soll das heissen?

Duisburg ist ein paradebeispiel, wie aus einer parteienvielfalt ein einheitsbrei wird, wie politische gesinnung dem kommerz anheimzuliegen scheint. bei manchen abstimmungen muss man schon genau schauen, ob man sich nicht im archiv irrt und ein abstimmungergebnis aus den alten tagen der neuen fünf bundesländer betrachtet.

baut euch bunker... / foto: parcelpanic

wenn man sich die Duisburger PuppenKiste so betrachtet, fällt es schwer an der haltung der vertreter ihre parteizugehörigkeit zu erkennen. man könnte meinen, alle hätten mit nur einem wahlprogramm gearbeitet. da ist was faul im staate des Kleinen Bürgermeisters. auch wenn es bis dato für die wenigsten überhaupt kaum auch nur einen hauch von interessant gewesen wäre, sollte schon die frage raum finden, ob wir näher an einer gelebten Demokratie oder an einer feudalen Gutsherrenselbstbedienungsmentalität stehen, politisch gesehen.

egal ob aktiver oder passiver nutzniesser des systems, es sollte schon geschaut werden, wo das geld hingeht. die, die einzahlen haben ein selbstmotiviertes informationsbedürfnis. ok, relativ zumindest, zu denen, die (derzeit) eher davon profitieren. sollte sie aber schon auch was angehen, wo die geldern bleiben, die sie nicht erreichen…

das argument „die machen ja eh, was sie wollen, da oben“ ist spätestens seit der möglichkeit der Abwahl ausser kraft. der durchmarsch der Klemmbrettguerilla zeigt klar, dass der einzelne vielleicht nicht viel erreicht, in der menge schon. das auf den letzten metern das staffelholz sich lieber selbst zwischen die beine geworfen wird statt es sauber zu übergeben vernachlässigen wir mal, der punkt wird sicher noch thema in den weiten des www. alles zu seiner zeit.

und um mal auf ähnlich radikale weise ins Rathaus zu antworten:

WIR sind am anderen ende des weges, am anfang. ohne EUER versagen wäre diese welle nicht in bewegung gekommen. mag es im moment der entscheidung sehenden auges ins verderben zu rennen auch noch als kalkulierbares risiko erschienen sein, der weg Sauerland beweist das gegenteil. es kann der beginn zur veränderung der politischen landschaft werden. es zeichnet sich nur ein sicherer weg ab, in zukunft noch eine rädchen im grossen uhrwerk system zu bleiben: „komm nach vorne und sprich darüber!“

auszug aus dem Artikel 20 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland

(2) Alle Staatsgewaltgeht vom Volke aus. […]

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

na … ? hm … ? … eben!

die geschickteren unter den argumenteuren würden nun den bogen zum zusammenhang zwischen der ermöglichung der Abwahl und damit einem kleineren übel ziehen. und rechtschreibfehler vermeiden. schade, mir fehlen beiden gaben. 😉

Duisburg ist am scheideweg. die Stadt könnte gewinnen, der zukünftige Ex-OB nur verlieren. eine Abwahl gewinne zu wollen ist an sich und in sich unmöglich. man kann sie eigentlich nur nicht verlieren.

wenn man sie nicht vorher schon verloren hat…

º‾º_º‾º_º‾º_º‾º_º‾º_º‾º

siehe auch:

WDR5: „Hallo Ü-Wagen – spezial“ incl. Mitschnitt

Stern: Duisburg stimmt über Sauerland ab

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Über parcelpanic

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7 Antworten zu Tag der Entscheidung

  1. Petra Grünendahl schreibt:

    Einer sagte: „Es wird schon gut gehen“ und alle liefen wie die Lemminge hinterher. Keiner hatte den Mut, die Spassbremse zu spielen und zu sagen: „Das geht so nicht!“ – obwohl Sicherheitsbedenken bekannt waren … Den Schuh dürfen sich auch andere Leute (als Adolf Sauerland) anziehen!

    • Daphne schreibt:

      Sämtliche Ratsmitglieder – insbesondere Bochums, Duisburgs und Gelsenkirchens, die 2007 für die Austragung der Loveparade stimmten, ohne auch nur den Hauch einer Vorstellung hinsichtlich Finanzierung und geeigneter Veranstaltungsorte zu haben, sollten sich m.E. ernsthaft auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen…

      • parcelpanic schreibt:

        … und schon mal darüber nachdenken, welche ehrenamtliche tätigkeit ihre frei zeit dann füllen könnte…

        hallo Daphne,

        noch vor zwei jahren hätte ich das alles für das gedankengut leicht überdrehter linker freaks gehalten. ich habe, auch wenn es mein wunsch war, lange zeit nicht 100% an das gelingen geglaubt, es fällt mir auch im moment noch nicht ganz einfach. eben deswegen kann Duisburg fast überall sein, wo politik nicht das ist, was es sein sollte. zum wohle des volkes, z.b.

  2. Pingback: Abwahltag!!! Endlich...... - Zebra1968

  3. Jolie schreibt:

    Das NOS-Journaal (TV) in die Niederlande:
    http://nos.nl/l/tcm:5-1186226/

    (If it would not be such a sad story all together, i would congratulate „Duisburg“ 😀 )

    • parcelpanic schreibt:

      hallo Jolie,

      ich fasse es immer noch nicht so recht, obwohl ich dabei war…
      hast Du schon den schönen FlasMob gesehen, der Sauerland aus den amt tanzen sollte?

      hat funktioniert! 😉

      • Jolie schreibt:

        Hallo Jason,
        Great FlashMob! 😀
        Es freut mich sehr daß soviele Menschen gewählt haben, auch die interviews in die Duisburger Straßen waren sehr schön zu sehen!
        Groetjes uit Hilversum 🙂
        Jolie

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