Heimatkunde mit Symathieträger

DerWesten:

Hüttenheim – ein Stadtteil wird hundert

04.01.2012 | 08:20 Uhr

Duisburg-Hüttenheim.   Ein Stadtteil mit bewegter Geschichte. Gebaut für die Arbeiter des neuen Schulz & Knaudt-Stahlwerks, kontinuierlich erweitert und 1984 kurz vorm Abriss.

Ein Stadtteil wird 100 Jahre alt. Die Queen war da, ebenso Bundespräsident Heuss. Gewichtheber Rolf Milser begann hier seine Karriere, Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche, wuchs in Hüttenheim auf. Harald Molder von der Zeitzeugenbörse hat die Geschichte des Stadtteils zusammengetragen. Seine Ausstellung mit Bildern aus der Sammlung von Reinhold Stausberg ist ab heute in der Bezirksbibliothek Buchholz zu sehen. […]

[…] Das Stahlwerk, das 1914 an Mannesmann überging, wurde beständig erweitert und mit ihm die Siedlung. Ein lebendiges Stadtteilleben entwickelte sich – ein Zustand, von dem die Hüttenheimer heute nur träumen können. Geschäfte, sogar ein „Vergnügungsviertel“ mit Kino, Gaststätten und Eiscafés, entstanden. Die Gaststätte Lösken mauserte sich zum Dreh- und Angelpunkt. Hier traf man sich zum Schwofen, hier versammelten sich die neuen Vereine: die Schwimmer und Laienspieler, die Angler und Sänger. […]

[…] Und dann: Abbau von Ar­beitsplätzen, Streiks, Leerstand und Vernachlässigung der Bausubstanz. 1962 lebten 5500 Menschen in Hüttenheim. 1984 standen 300 der 530 Wohnungen leer. Viele Türken, die dort in letzten Jahren gewohnt hatten, waren in ihre Heimat zurückgekehrt.  […]

[…] Mittlerweile haben sich auch wieder einige junge Paare in Hüttenheim angesiedelt. „Die Siedlung verjüngt sich und hat hoffentlich weiter Bestand“, so Harald Molder. […}

alles lesen…

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wo liegt eigentlich dieses „Hüttenheim“ ?

schön vereint: Hüttenheim, HKM, „Achterbahn“ und GNS

Hüttenheim habe ich erst im vierten jahr nach meinem „übersiedeln“ aus dem ostwestfälischen überhaupt als stadtteil wahrgenommen. ganz stumpf gesagt gibt es dort die drei A´s, die ein leben ermöglichen: Aldi, Arzt, Apotheke. falsch gesagt ist das aber zu nüchtern betrachtet…

und erst heute wird mir klar, wer einer der botschafter ist! das gesicht ist einem mehr als bekannt, wenn man in Duisburg nicht nur das material der sendeanstalten des systems sichtet. in meinem fall beispielsweise aber auch aus begegnungen am, um und im Rathaus. an der Gedenkstätte und anderen „schnittpunkten“ der tragödie. spätestens beim stichwort „ruhrbarone“ fällt beim letzten der groschen.

Duisburg Süd, Mannesmann Ecke Ehinger / foto: parcelpanic (2009)

zurück zum stadtteil. die wenigsten hier noch seltener jemand von ausserhalb kann mit dem begriff „Hüttenheim“ etwas anfangen. Mannesmann, Tor2, HKM oder Berzelius? „ja nee, klaaar!“ er scheint ein wenig aus der mode gekommen zu sein. abwohl hier das feuer nicht wie im Meidericher Hüttenwerk erloschen ist, lebt weniger von dem, was deren soziales umfeld ausgemacht hat hier auch so weiter.

ein eher kleinere stadteil, wohnungsraumtechnisch betrachtet. eine arbeitersiedlung aus den ersten jahren des automobils und der epoche der stahlindustrie. in direkter nachbarschaft zum hüttenwerk als „natürliche“ barriere zum Rhein, das in seiner blütezeit hunderten menschen eine beschäftigung bot. riesige industrieflächen, eine stadt für sich. teile des geländes haben neue nutzer gefunden, als beispiel das gewerbegebiet „Am Röhrenwerk“.

mich verbindet mit dem stadtteil mein brötchengeber. ich pendele täglich aus genau der entgegen gelegenen hälfte. es lohnt sich allerdings auch mal ein bischen zeit nebendran zu investieren. wie die meisten ecken Duisburgs geht man am besten per pedes und möglichst mit kamera auf entdeckertour. abseits der grossen strassen findet man zeitzeugen der besseren zeiten, in denen man dort lebte und arbeitete, es diesen „workingclass hero“ noch gab.

ohne titel / foto: parcelpanic

die aufwertung knapp vorbei und meist zu Huckingen gezählt, die „Achterbahn“, ist von hier aus an vielen stellen sichtbar. besonders im dunkeln, wenn die beleuchtete stahlrohrkonstruktion schwebend aus einem neuen blickwinkel sichtbar wird, kann es einem passieren sich dabei zu erwischen das ganze auch noch „toll“ zu finden. man sucht förmlich danach, wenn man weiss wo es ist, sein müsste… 😉

ein zitat aus dem artikel, der mich besonders zu schmunzeln brachte, nachdem sich der hustenanfall etwas gelegt hatte:

[…] Im Februar 1950 kam Bundespräsident Heuss zum Neustart des ersten Hochofens. Die Hausfrauen mussten die Wäsche reinholen, wenn sich die braune Wolke vom Stahlwerk über die Gärten legte, mitunter dreimal am Tag. […] quelle

es ist beruhigend konstanten im leben zu finden. ich nenne es liebevoll „die papstwahl“. in den schattierung ist man zumindest kreativer geworden, wobei der „urton“ durchaus noch im programm ist. hatte ich sicher schon einmal erwähnt: da wo die wäscheleine hängt ist heute „Umweltzone“ , hat nur noch keiner den partikeln beigebracht auf ihrer seite zu bleiben…

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p.s.: der artikel gibt es leider nicht her…

Adresse zur Ausstellung:

Bezirksbibliothek Buchholz
Sittardsberger Allee 14
47249 Duisburg

tel.: 0203 283-7284

im www: Bezirksbibliothek Buchholz

Öffnungszeiten

Dienstag – Freitag: 10.30 – 13.00 Uhr & 14.00 – 18.30 Uhr

Samstag:  10.00 – 13.00 Uhr

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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