Totensonntag – (provisorische) Gedenkstätte

strahlend blauer himmel, die sonne scheint. dort, wo man ihre strahlen fangen kann, fühlt es sich sogar ein bischen wie goldener herbst an. eine laue brise erinnert einen an die kommenden kalten tage. es ist Totensonntag und ich bin auf dem weg zur (provisorischen) Gedenkstätte. der gang dorthin fällt schwerer als sonst. vieles ist so anders oder garnicht mehr.

bäume / foto: parcelpanic

ich habe lange überlegt ob ich dorthin fahre und wie ich reagiere(n soll), wenn man dem einen oder der anderen begegnet. die situation ist für unbeteiligte nicht einfach zu beurteilen, solange nicht alle klar die karten auf den tisch legen. schon die unstimmigkeiten zwischen einzelnen gruppen und vereinigungen haben einigen garnicht die gelegenheit gegeben ihre unabhängigkeit zu wahren.

der ort wird heute immer noch gut besucht. bei jedem besuch dort sehe ich menschen kommen und gehen. viele halten einen moment inne, einige bleiben länger. manche scheinen einen bestimmten punkt auf der fläche zu suchen, einige stehen länger am zaun, der den rest der rampe abtrennt und schauen hinauf. die allermeisten kommen nicht allein und suchen das gespräch. viele haben eine geschichte dabei. einige schlimme, ergreifende. sie gehen an die substanz, machen traurig.

diese geschichten machen einem aber auch immer wieder klar, richtig damit zu liegen, wenn man hier eine ständige und würdige Gedenkstätte fordert. sicher, in erster linie für die Hinterbliebenen und Betroffenen. als ort der trauer und erinnerung. als ort um mit dem erlebten (und der erinnerung) leben zu lernen. aber auch für bürger und solche, die diesen ort brauchen um z.b. anteilnahme zeigen zu können.

(provisorische) Gedenkstätte 20.11.2011 / foto: parcelpanic

am ort der tragischen ereignisse treffe ich neben Anita, die ich begleite, auch auf Dirk S. und Mario E., beide auch betroffene des 24.07.2010. man kennt sich, jemand hat kaffee mitgebracht und schnell ist man im gespräch. einige weitere „verdächtige“ in sachen Gedenkstätte schauen vorbei. besonders freuen sich alle „Herrn Johann“ zu sehen. er wirkt gesundheitlich angeschlagen, lässt sich aber nicht aufhalten. wie immer schaut er auch nach der gedenkstätte, kümmert sich um die treppe und fragt auch nach dem Mahnmal.

das Mahnmal am ostende der unterführungsanlage Karl Lehr Strasse liegt recht verlassen da. spuren zeugen von einer vermutlichen zusammenkunft einiger Pizza und Sektfreunde. Kerzen scheint hier ausser Herrn Johann niemand zu entzünden, so auch heute.

zurück an der Rampe erzählt er nur auf drängen, wie er die neueren entwicklungen empfindet. einerseits betont er, gehe ihn das nichts an. andererseits spürt man die menschliche enttäuschung, die er empfindet. warum etwas, dass gut sein sollte, so etwas schlimmes macht z.b.

hinterher sagt man mir, mein beitrag „zu: „Herr Johann““ hätte nur unzureichend die tiefen emotionen des mannes beschrieben. man zeigt sich halbwegs erschüttert, was der mann auch ohne internet alles mitbekommt. dabei macht es im übrigen keinen grossen unterschied, an welches der grande malör um die Gedenkstätte und ihre helden Sie just dachten.

Karl Lehr Strasse / foto: parcelpanic

er ist nicht allein mit fragen, auf die er keine antworten findet. da würde ihm auch das internet oder FB etwas nutzen.

Anita & Dirk können nur für sich sprechen, wenn das gespräch auf NF kommt. man merkt die anspannung, erst recht wenn man weiss, was an im raum stehenden behauptungen annähernd an die erlebte realität kommt und welche nicht. welche der vorwürfe eigentlich schon geklärt waren und erneut benutzt werden um seine opferrolle festigen zu wollen. handlungsweisen, die anscheinend aus dem umgang früherer ex-mitstreiter übernommen werden konnten. vonwegen: lernt nix!

neben den anwesenden dürften aber noch andere ein interesse daran haben, wie es weiter gehen soll. mitglieder, spender und unterstützer, um ein paar zu nennen. die HP ist länger schon down, auf FB soll es ebenso aussehen. die infos, die kursieren lassen alles offen. da ist von einer pressekonferenz die rede mit ähnlicher selektion, die man wenig zuvor noch einer anderen organisation vorwarf. von einer mitgliederversammlung (montag, 21.11.), dem gerücht nach in Oberhausen. das konnten allerdings einige mitglieder, die es zumindest noch waren und nicht Anita oder Dirk heissen, so nicht bestätigen. weil ihnen keine einladung zugegangen ist, beispielsweise…

HKM - Duisburg Hüttenheim / foto: parcelpanic

es ist derzeit schwierig zu sagen, was aus dem e.V. wird. er exestiert auf dem papier noch, mit dezimiertem Vorstand. ob um den verein erlöschen lassen zu wollen oder einen neuen vorstand zu wählen, es bedürfte aktivitäten um sich neu aufzustellen. ein e.V. unterliegt anders als ein häckelclub des landfrauenbund auch gesetzlichen verpflichtungen, woraus früher oder später auch mal jemand kommen wird.

vielleicht steht es mir als TrashBlogger nicht zu, zu erfahren, was aus NF wird. es geht nicht um auf- oder abrechnungen, nicht um das waschen schmutziger wäsche. es ist grad modern „privatmensch“ zu sein. als solcher habe ich einige der aktionen mitgetragen, unterstützt und zeit sowie geld investiert. das habe ich gerne getan. für ein ziel eines vereins, der sich etwas auf die fahne geschrieben hat. wenn nun diese fahne eingeholt und das ziel für erreicht erklärt wird, dann aber die nötigen konsequenzen ausbleiben, ist das schon auch ein stück verhöhnung des einsatzes derer, die die basis des vereins gebildet haben.

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nachtrag:

siehe auch: Ein Tag an der Gedenkstätte

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Über parcelpanic

"life is a journey – not a destination"
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3 Antworten zu Totensonntag – (provisorische) Gedenkstätte

  1. Simone Semmel schreibt:

    Das mit der Verhöhnung des Einsatzes derer, die die Basis des Vereines gebildet haben, das will ich gerne so sehen. Die MV am 21. 11. …, das sehe ich mal nicht so. Das sehe ich eher als ein Vorbereitungstreffen, an dem sich der Restvorstand die Karten legt und die Einladungen für die eigentliche MV spätestens rausgehen sollten. Und die wird angesichts Vereinssatzung nur eines: Spannend! 🙂

  2. Lothar Evers schreibt:

    Es gibt einen Spruch, der miuch seit einigen Jahren begleitet:
    „Die Institutionen existieren nur in den Köpfen der Menschen…“
    Will sagen:
    es sind die Individuen, die etwas möglich machen oder verhindern, die sich verbindend Verbindlichkeit herstellen.
    Oft sind die dabei gegründeten Vereinigungen, Vereine und Initiativen geeignet, die in ihnen kooperierenden Personen zu lähmen, Dinge zu verunmöglichen, die sie eigentlich ermöglichen sollten.
    In jedem Fall ist jede Institution nur so leistungsfähig, wie die in ihr verbundenen Individuen.

  3. Jürgen Rohn schreibt:

    Verein, MV, Restvorstand….. Mein Gott. Menschen stehen für Inhalte und nicht die Organisationsstruktur. Einen Verein kann man auflösen, die Menschen aber nicht, die weitermachen und Never Forget leben.

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